Agnes Maria Forsthofer, erste Vorsitzende des Vereins
Linkshänder e.V. pr
9. AUGUST 2012
Am 13. August ist der Weltlinkshändertag. In Deutschland können Kinder schon lange auch mit "links" durchs Schulleben spazieren. Früher, das heißt bis in die 1970er Jahre, wurden Schüler zu Rechtshändern umerzogen. Dass Linkshänder heute trotzdem noch so manche Schwierigkeiten im Alltag haben, ist Vielen nicht klar. Wir fragten Agnes Maria Forsthofer, erste Vorsitzende des Linkshänder e.V. nach ihren Erfahrungen.
Sind Sie selbst Linkshänderin?
Agnes Maria Forsthofer: Ja, schon immer. Denn ich hab mich schon als Kleinkind gegen die Umschulung gewehrt, und das war in meiner Kindheit ja gang und gäbe...
Welche Nachteile haben Sie durch die Linkshändigkeit im Alltag?
Agnes Maria Forsthofer: Heute kaum mehr, denn ich bin mir ja bewusst, dass ich als Linkshänderin in einer Rechtshänder-Welt lebe.
Was halten Sie von Sprüchen wie "Du hast zwei linke Hände"?
Agnes Maria Forsthofer: Diese Art von Umgangssprache ist bei uns "fast" normal geworden. Linker Typ, mit dem linken Fuß aufgestanden etc. Mein Leitsatz ist: "Auch Linkshänder haben Rechte" und das im wahrsten Sinn.
Gibt es genug Alltagshelfer für Linkshänder, zum Beispiel Füller, Kartoffelschäler und Schere?
Agnes Maria Forsthofer: Natürlich gibt es heute Alltagshelfer für uns, aber leider viel zu wenig und viel zu wenig Auswahl. Und vielen Linkshändern ist oft nicht bewusst, dass sie manches deshalb nicht können, weil sie NUR den falschen Gegenstand in der falschen Hand haben. Wie zum Beispiel Brotmesser, Spitzer, oder Pellschäler. Übrigens: Im deutschen Grundschulgesetz gibt es keine Füllerpflicht mehr. Was uns Linkshändern mit den Rollerballs sehr entgegen kommt.
Werden Linkshänder diskriminiert?
Agnes Maria Forsthofer: Nicht unbedingt diskriminiert, aber leider auch nicht zu 100 Prozent akzeptiert. Links ist immer noch negativ belastet, wobei ja zu weit rechts auch nicht richtig ist...
Werden Kinder heute noch "umgepolt"?
Agnes Maria Forsthofer: Viele Großeltern wollen auch heute noch keinen "Linken". Und was oft nicht bedacht wird, ist, dass sich die kleinen Linkshänder oft selbst zum Rechtshänder machen, da sie ja so sein wollen wie der Rest drum herum. Dann kann es zum Stottern, Bettnässen oder zur Lese- und Rechenschwäche kommen und niemand kommt auf die Idee, wo der eigentliche Ursprung liegt. Man muss sich vergegenwärtigen, dass das Lernen auf "rechts" für Linkshänder wie ein Eingriff ins Gehirn ist. Wir alle sind nun mal genetisch so veranlagt, dass wir als Rechts- oder Linkshänder zur Welt kommen. Entsprechend ist auch das Gehirn angelegt. Das "Falschlernen" kann deshalb böse Folgen haben.
Können solche Menschen noch mal umlernen?
Agnes Maria Forsthofer: Ja, es gibt sehr gute Lerntherapeuten, die eine Umschulung auf "links" begleiten können. Für manche Betroffene ist darüber hinaus der Gang zum Psychotherapeuten sinnvoll, wenn sie mit psychischen Problemen durch das Falschlernen zu kämpfen haben.
Linkshänder müssen zwangsläufig Vieles mit rechts machen. Sind Sie aufgrund der geforderten Flexibilität intelligenter als Rechtshänder?
Agnes Maria Forsthofer: So leid es mir tut, aber das allein macht uns nicht intelligenter. Es gibt darüber auch keine Untersuchungen. Diese Meinung ist eben auch eine von vielen, die man über uns Linkshänder so einfach daher sagt.
Wo können sich Betroffene informieren, wenn sie Unterstützung suchen?<7b>
Agnes Maria Forsthofer: Viele Kinesiologen und Ergotherapeuthen unterstützen oft sehr wirksam. Der Linkshänder e.V. bietet ab September einige Info-Kurse und zum Beispiel auch Malpartys für Linkshänder an. Außerdem gibt es zahlreiche Internet-Shops, zum Beispiel www.linkopfotia.de, die "Wohlfühlartikel" für Linkshänder anbieten.