Einen großen Sprung in seiner Karriere als Vielseitigkeitsreiter macht Dirk Schrade. Die Olympischen Spiele sind sein absoluter Höhepunkt. Foto: Reisner
12. Juli 2012
Er hat es geschafft: Bundestrainer Hans Melzer nominierte den Gomadinger Dirk Schrade für das Olympiateam der Vielseitigkeitsreiter. Bei der entscheidenden Prüfung, dem CHIO Aachen lief für den Schwaben aber noch nicht alles rund.
Seit Montag dieser Woche kann er seinen Traum sogar anfassen. Da erhielt der 34-Jährige die offizielle Kleidung des deutschen Olympiateams. Rund 70 Einzelstücke umfasst die Ausstattung der Elitesportler. Schrade kommt damit seinem selbst gesteckten hohen Ziel noch etwas näher und das Abenteuer Olympia beginnt. »Ich stell es mir gewaltig vor«, sagt er mit glänzenden Augen und mit seinem feinen Gomadinger Schwäbisch. Seine sprachliche Herkunft erkennen die meisten zwar nicht mehr, denn Schrade lebt im sauerländischen Sprockhövel und betreibt dort einen Pferde-Ausbildungsstall. Doch wenn ein Schwabe auf einen Schwaben trifft, dann schwäbelt es sich gern.
Gleichwohl warten jetzt andere Aufgaben auf den Vielseitigkeitsreiter. Am kommenden Dienstag, 17. Juli, beginnt die sportliche Vorbereitung im Trainingslager in Bonn-Rotterberg. Von da an leben und arbeiten Sandra Auffarth, Ingrid Klimke, Peter Thomsen und der zweite Schwabe im Team, Michael Jung, nur noch mit einem Ziel: Der Titelverteidigung. Die deutsche Equipe reist als großer Favorit im Mannschaftswettbewerb nach London, erst recht nachdem sie in der genannten Besetzung das hochklassig besetzte Turnier in Aachen für sich entschieden haben. Auch im Einzel startet mit dem Horber Jung ein Goldmedaillenkandidat.
So heißt es nun für Schrade und Co. volle Konzentration auf die Spiele. Dabei hat der Gomadinger noch eine besondere Aufgabe: Nach der Dressur und dem Springen lag Schrade auf dem zwölften Platz. Dieses Ergebnis konnte er dann durch einen phänomenalen Geländeritt auf Rang sieben verbessern. Damit war er drittstärkster Deutscher und zeigte vor allem auch seine Nervenstärke. Denn in der Dressur musste er als einer der Ersten an den Start, weil ihn der Bundestrainer noch mehr unter Druck setzen wollte. Schrade ließ sich nicht beeindrucken und blieb sportlich gelassen. Die beiden Fehler im Springen jeweils mit seinem Partner King Artus und Hop and Skip ärgerten ihn aber trotzdem. Mit beiden Pferden reist Schrade nach London – die Vierbeiner per Spedition, der Zweibeiner per Flugzeug. Damit genießt er einen Vorteil gegenüber seinen Mannschaftskollegen Auffarth, Klimke und Thomsen: Sie haben nur ein wettbewerbsfähiges Pferd zur Verfügung. Michael Jung dagegen darf ebenfalls mit beiden Partner, dem Weltmeister Sam und Leopin anreisen. Lange Zeit zum Nachdenken über das Großereignis haben die Olympioniken im Übrigen nicht. Der Wettkampf beginnt schon am 28. Juli mit den Prüfungen. Die Entscheidung fällt dann zwei Tage später. Wir drücken jetzt schon die Daumen.