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Immer nach dem Wind

Ein Kohlekraftwerk in Norddeutschland (Symbolbild).
Foto: Fotolia/Imaginis

5. Juli 2012
 

Tübingen ist – über seine Stadtwerke – nun nicht mehr Bauherr eines riesigen, tollen, super-modernen Kohlekraftwerks, das an der Hamburger Elbmündung bei Brunsbüttel geplant war. Ein Ausstieg der anderen Art.
 

Wirtschaftliche Gründe führt Aufsichtsratschef Boris Palmer für diese Entscheidung an. Weil auch noch andere Teilhaber rechtzeitig aus diesem offenbar drohenden finanziellen Desaster ausgestiegen sind, kommt die grüne Tübinger Stadtkasse der Rückzug nicht gar so teuer zu stehen. Ein paar Millionen halt.

Blamabel ist die Sache dennoch. Wie wortreich hatte sich der grüne Klimaschützer und Weltenretter doch verbogen, um diese Beteiligung zu rechtfertigen. Lieber ein großer moderner, nicht ganz so dreckiger Kohlemeiler auf dem Stand der Umwelttechnik als eine Menge alter Ruß-Schleudern, so hieß seine öffentlich verlautbarte Devise.

Natürlich war das nicht ganz falsch und nicht völlig dumm - wie immer bei Boris Palmer, dem knitzen Ober-Gscheidle. Aber es war ein Sündenfall.

Und zwar erst recht im Lichte der Gegenwart. Angesichts der Energiewende rentiere sich die Sache jetzt nicht mehr, gibt der Oberbürgermeister zu Protokoll.

Wie bitte?

Die Energiewende weg vom Atom erfordert mehr denn je einen zumindest vorübergehenden Rückgriff auf Kohle, Öl und Gas. Das gilt auch für wirtschaftliche Kalkulationen der Politik und der Energieversorger.

Es waren schlicht betriebswirtschaftliche Erwägungen, die zum Ausstieg der Tübinger Stadtwerke geführt haben. Und da steht der Aufsichtsrats-Chef und Oberbürgermeister halt auch stramm und meldet Vollzug. Genau so, wie er zuvor mit dem Einstieg in Brunsbüttel seinen umweltpolitischen Salto mortale für den Neubau eines gigantischen Kohlekraftwerks gerechtfertigt hat.

Was geht denn Tübingen der Ruß an der Elbmündung an, wo die Welt auf Kosten der Anwohner gerettet werden muss?
Windkraft zählt zu den Stützen der geplanten Energiewende. Der Weltenretter Boris Palmer ist dafür der richtige Mann. Er hängt sein Fähnchen immer fix nach dem Wind.
 
 

05.07.2012 - aktualisiert: 05.07.2012 08:55 Uhr

 

Lesermeinungen

05.07.2012 20:05
Autor: CIVIS in Rage

Der Scherbenhaufen wächst!

Dass Deutschland die gesetzten Ziele (Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit) bei bezahlbarer Energie schafft, danach sieht es nicht aus. Im Energiewirtschaftsgesetz stehen als gleichwertige Ziele: Die sichere, preisgünstige, verbraucherfreundliche, effiziente und umweltverträgliche leitungsgebundene Versorgung der Allgemeinheit mit Elektrizität und Gas. Verfolgt werden rücksichtslos ideologisch einseitige Ziele. Die Energiepolitik ist höchst unsozial.

Die Haushaltsstromverbraucher zahlen heute schon die Zeche mit den höchsten Strompreisen in Europa und sie steigen weiter. Kosten und Folgekosten werden zunehmend den ganz normalen Haushaltsstromverbrauchern zugeschanzt. Die Auswirkungen der teueren und unzuverlässigen Energieerzeugung sind u. a. Wettbewerbsnachteile für die Wirtschaft, die man schon jetzt zu Lasten der nicht privilegierten Verbraucher ausgleicht. Immer weniger Endverbraucher müssen die von den Energie- und Umweltpolitkern gemachte Zeche alleine bezahlen. Die Eigenstromverbraucher verabschieden sich auch von der Finanzierung der allgemeinen Aufgaben. Umwelt- Klima und Zukunftsicherung dürfen aber nicht der immer kleiner werdenden Gruppe von Haushaltsstromverbrauchern bald alleine belastet werden. Unabhängig von der Energiepreisentwicklung sind steigende Strompreise so schon vorprogrammiert. Auch hier gibt es noch genügend offene Fragen.

Milliarden werden dazu im Meer versenkt. Die Hiobsbotschaften kann man ja fast täglich in der Zeitung lesen. Dem Abenteuer Importkohlekraftwerk am Nordseestrand folgt das noch größere Abenteuer Windräder auf der Nordsee. Das steht alles im Zusammenhang mit dem EEG und der extremen Förderung und dem Vorrang der sogenannten erneuerbaren Energien. Gefördert wir der unzuverlässigste und teuerste EE-Strom. Die Sonne scheint in unseren Breiten nun mal nicht bedarfsgerecht und im Schnitt nur zu einem Drittel der Zeit. Wenn die Sonne scheint und der Wind weht, dann hat dieser Strom Vorrang. Bei Flaute und Sonnenfinsternis dürfen und sollen dann andere Kraftwerke liefern. Dass sich das nicht rechnet ist doch keine Überraschung. Das wusste auch Herr Palmer. Selbst moderne dezentrale Gas- und Dampfkraftwerke werden nicht mehr gebaut, obwohl sie so gut wie feinstaubfrei hocheffizient Strom und Wärme dort erzeugen könnten wo die Energie auch gebraucht wird.

In Brandenburg wurde eben eine vor wenigen Monaten erst in Betrieb genommene moderne Solarfabrik wieder geschlossen. Es ist nicht die einzige in Deutschland. Millionen an staatlichen Fördergeldern sind quasi in der Sonne verbrannt. Das ist jetzt zwar zuerst ein Problem für Brandenburg und die unmittelbar betroffenen Menschen, aber es ist eine Folge dieser falschen und überaus naiven Politik die uns letztendlich als Bürger und Verbraucher alle trifft. Wer glaubte, das EEG als Industriepolitik missbrauchen zu können, bekommt jetzt die Quittung. Dazu kommt die unheilige Allianz zwischen Ideologie und Profit. Einlösen müssen sie leider wieder nicht die Verantwortlichen und Profiteure. Die Leidtragenden sind die Arbeitnehmer und die Menschen in der Region. Mich überrascht die Entwicklung überhaupt nicht. Vielleicht noch die Geschwindigkeit und der Umfang des Zusammenbruchs der Branche und die Folgen. Aber die Entwicklung war unausweichlich, früher oder später platzt jede Blase, die so mit Milliarden durch Subventionen aufgepumpt wird. Milliarden werden verschwendet, wohin man sieht!


 






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