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Nichts Neues in der Altstadt

Einkaufen in Tübingens Altstadt: OB Palmer erklärte, er sei für alles, was den Handel dort stärke – »und sei es das Auto«.
Foto: Ben

28. Juni 2012
 

Dieser Klimawandel hat für Tübingen natürlich erst mal nur sein Gutes. Ruckzuck waren die umstrittenen gelben Protest-Plakate weg, nachdem sich die unzufriedenen Tübinger Altstadt-Händler – dazu Bewohner, Marktbeschicker, Gemeinderäte, Kunden, insgesamt rund 150 Leute – vor zwei Wochen im Rathaus zum Dialog mit dem Oberbürgermeister getroffen hatten.
 

Boris Palmer habe den Händlern wieder mal die Ohren abgequasselt, soll der Linke Anton Brenner zwar danach gehöhnt haben. Aber auch das muss man erst mal können. Solche Klimarettung als guter Kommunikator mit freundlich-gewinnendem Wesen und klarer Argumentation gehört tatsächlich zu den großen Stärken des Grünen. Schon fast ranschmeißerisch klang sein Bekenntnis, er sei für alles, was den Handel dort stärke »und sei es das Auto«.

Die Substanz dahinter ist allerdings nicht so berauschend. Dass Palmer einstweilen von seinen bei der Altstadt-Initiative heftig bekämpften Plänen zur City-Maut abrückt, weil dafür noch jede gesetzliche Grundlage fehle und er vom »Spiegel« falsch zitiert worden sei, das ist nun noch keine Offenbarung.

Von seinem Vorhaben, eine Sperrung der Mühlstraße per Bürgerentscheid durchzusetzen zu wollen, ließ der OB kein Jota ab. Er will sie auch, weil der Autoverkehr dort dem Innenstadthandel nur schade. Das Argument freilich, kein Autofahrer komme von dort in die Altstadt, weil Linksabbiegen am Schimpfeck ja verboten sei, sticht nicht: Das ließe sich ja mit wenig Aufwand erlauben.

Den entscheidenden Einwand, ob die Sperrung nicht viel mehr Umweg-Kilometer, viel mehr Umweltbelastung und viel mehr Anwohner-Belästigung vor allem in der Weststadt (und in Lustnau) bringe, ließ er gegenüber den Händlern außen vor.

Der Vorschlag, eine Arbeitsgruppe einzurichten und den Dialog mit ihr fortzuführen, das ist geschenkt. Und auch Palmers »Zuckerle«, die beiden Parkhäuser wie von den Händlern gewünscht umzubenennen, ist keine sensationelle Idee. Schon macht sich ein kundiger Otto Buchegger über das Parkhaus »Altstadt-West«, bisher »König« lustig, das nach Blick auf den Stadtplan eindeutig im Norden der Altstadt stehe.

Viel Statistik um angeblich nicht überteuertes Parken hilft auch nicht weiter. Butter bei die Fische, das hieße entweder die geforderte »Brötchentaste«, eine kostenlose Viertel- oder halbe Stunde, oder aber die Erstattung auf Stadtkosten bei getätigtem Einkauf. Die Parkscheiben-Lösung scheidet für ihn ganz aus, weil er die Stadt auf die Gebühreneinnahmen angewiesen sieht.

Dass freilich der Niedergang des Altstadthandels schon vor der letzten Gebührenerhöhung eingesetzt habe, ist kaum zu widerlegen. Das entspricht dem allgemeinen Empfinden. Und dieses allgemeine Empfinden, in Leserbriefen geäußert, sieht den Hauptgrund beim Handel selber, im Sortiment, im Aussterben der bedarfsnahen kleineren Läden und den hohen Ladenmieten, die nur noch umsatzstarken Ketten den begehrten Standort erlauben. Der Begegnungsort Altstadt ist der Shopping-Location gewichen, trotz Wochenmarkt und Straßencafés.

Da kann kein Boris Palmer Abhilfe schaffen. Das ließe sich nur über strikte Satzungs-Eingriffe machen, für die es hohe gesetzliche Hürden gibt und breites bürgerschaftliches Einvernehmen braucht.
 
 

28.06.2012 - aktualisiert: 28.06.2012 08:59 Uhr

 

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