21. Juni 2012
Ein Scherzbold hat schon ein Ortsschild stolz ergänzt: »ELITE -Universitätsstadt Tübingen« prangt da jetzt Schwarz auf Gelb. Die Entscheidung der Jury in Bonn ist bares Geld wert. Rund 110 Millionen Euro fließen in den kommenden fünf Jahren an die Eberhard-Karls-Universität.
Der unbändige Jubel am Freitag bei der Bekanntgabe durch Rektor Engler – Boris Palmer will ihn bis hinauf ans Krankenbett in seinem Heim an der Doblerstraße gehört haben – zeigt aber auch: Da ist eine Schmach getilgt worden, eine schmerzende Wunde kann jetzt heilen.
Denn die traditionsreiche Uni Tübingen war bei den beiden Runden der ersten Exzellenz-Initiative sang- und klanglos leer ausgegangen, jedenfalls fast. Im Ländle hingegen konnten sich Heidelberg, Karlsruhe, Freiburg und die Jung-Uni Konstanz für ihre Zukunftskonzepte mit dem Titel »Elite-Universität« schmücken und dabei rund 50 Millionen Euro Fördergelder einstreichen.
Nur die Hochschulen in Mannheim und Ulm bekamen noch weniger ab als Tübingen, das sich mit einem Trostpflästerchen (»Exzellenzcluster«) für das Werner Reichardt Centrum für Integrative Neurowissenschaften (CIN) begnügen musste. 6,5 Millionen Euro war das wert, immerhin. Aber der Schock saß tief, die Demütigung schmerzte.
Nun gibt es in Freiburg und an der TU in Karlsruhe lange Gesichter. Die dortigen Universitäten sind sozusagen aus der Elite-Liga abgestiegen. Die jahrelangen durchaus verbissenen Anstrengungen Tübingens haben sich gelohnt. Die Scharte ist ausgewetzt.
Nicht nur das Gesamtkonzept »Research – Relevance – Responsibility« (etwa Forschung, gesellschaftliche Bedeutung, nachhaltige Verantwortung) wurde ausgezeichnet. Neben den weiter geförderten Neurowissenschaftlern vom CIN kamen mit der Graduiertenschule zur Bildungsforschung und lebenslangem Lernen auch Geisteswissenschaftler an die Lorbeeren und die Fördertöpfe.
Eine dritte Initiative für 2017 ist zwar schon beschlossen. Aber weitere noch nicht. Denn die Sache ist nicht unumstritten. Kritiker bemängeln an dem Verfahren eine zu starke Ausrichtung auf ökonomische Verwertbarkeit der Forschung. Zudem höhle dieser Geldsegen vom Bund auch den Föderalismus aus, nach dessen Grundsätzen Bildung – und damit die Universitäten – in die Hoheit der Bundesländer fällt.
Und noch eines ist zu bedenken. Die Schmach, nicht Spitze, nicht Elite zu sein, kann den Ruf von Hochschulen schädigen, die für die Hochschul-Ausbildung trotzdem dringend gebraucht und in Schuss gehalten werden müssen. Tübingen hat die Demütigung erfahren und als Ansporn genutzt. Aber zwingend ist so eine Trotzreaktion nicht.
Trotzdem oder gerade deswegen: Glückwunsch an alle Verantwortlichen der Alma mater, besonders auch an die Wissenschaftler der herausgehobenen Institute!