10. Mai 2012
Bei Familie Walker ist immer etwas los. Gudrun Walker betreut seit 20 Jahren als Tagesmutter Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Der Landkreis will nun den Zuschuss erhöhen, um die Tagesbetreuung für die Eltern finanziell attraktiver zu machen. So könne man mit den Krippen gleichziehen, sagte Landrat Joachim Walter bei einem Besuch vor Ort.
»Irgendwo liegen immer Murmeln«, sagt Gudrun Walker. Sie ist selbst Mutter dreier inzwischen erwachsener Kinder und arbeitet als Tagesmutter. Derzeit betreut sie fünf Kinder im Alter zwischen sechs Monaten und drei Jahren.
Ihr Tag geht früh los. Zwischen 7.30 und 8.30 Uhr treffen die Kleinen bei Gudrun Walker ein. Dann geht es zunächst ans gemeinsame Spielen. »Ich kann relativ flexibel auf die Tagesform der Kinder eingehen«, erklärt die Tagesmutter. Ob kneten, puzzeln oder toben – die Kinder entscheiden meist von selber, worauf sie Lust haben.
Anschließend wird gemeinsam gesungen, bevor es an den Frühstückstisch geht – der Obstteller wartet schon. Gestärkt zieht es die Kleinen ins Freie. Ob Wald, Wiese oder Spielplatz – draußen gibt es immer viel zu entdecken. Auch ein paar Tiere leben in der Nachbarschaft, die regelmäßig besucht werden. »Besonders beliebt ist zur Zeit der Esel«, sagt Walker. Gegen zwölf Uhr kehren die »Geschwister auf Zeit« samt Tagesmutter nach Hause zurück, dann gibt es Mittagessen. Zwischen 13 und 14 Uhr stehen schließlich die Eltern vor der Tür, um ihre Sprößlinge abzuholen.
Gudrund Walker betreut ihre Kinder vormittags an vier Tagen pro Woche – freitags und am Wochenende hat sie frei. Sie entschied sich 1992 dafür, neben ihren eigenen Kindern auch noch die Betreuung anderer zu übernehmen. »Wir hatten Glück mit dem großen Haus, da haben wir viel Platz und können viel machen«, erklärt die gelernte Heimerzieherin.
Sandra Stohr, Tagesmutter in Ausbildung, unterstützt die aufgrund einer Fuß-Operation etwas gehandicapte Walker (»Rennen geht gerade nicht«) derzeit. Für die Krankenschwester ist die Aufgabe der Tagesmutter die ideale Lösung, »um alles unter einen Hut zu bekommen« – die Betreuung des eigenen Nachwuchses, Geldverdienen und den eigentlichen Beruf nicht aus den Augen zu verlieren.
Auch immer mehr Eltern sind von den Vorteilen der Tagesbetreuung überzeugt. Von der familiären Atmosphäre beispielsweise schwärmt eine Mutter, als sie ihren kleinen Sohn abholt, eine andere freut sich über die individuellere Betreuung, als in der Kita.
Doch auch die flexiblen Betreuungszeiten, die von wenigen Stunden pro Woche bis hin zur Betreuung über Nacht reichen, sind für viele Eltern ein klarer Vorteil. Ebenso die kleinen Gruppen. »Die Kinder profitieren von einander«, sagt Annette Geist vom Eltern- und Tageselternverein Tübingen e.V. Die Organisation vertritt die Tagesmütter und ist die Schnittstelle zur Kreisbehörde. Seit 1993 übernimmt der Verein im Auftrag des Landkreises gesetzliche Aufgaben im Bereich der Kindertagespflege. Dazu gehört nicht nur die Betreuung, sondern auch die Qualifizierung und Begleitung der Tagesmütter und die Vermittlung der Pflegeverhältnisse.
GleicFür Landrat Joachim Walter ist es an der Zeit, dass die Tagesmütter nicht mehr nur als Lückenbüßer gesehen werden, wenn es mit einer anderen Form der Betreuung nicht klappt. »Die Tagespflege ist ein gleichwertiger Baustein zur Kinderbetreuung wie beispielsweise die Krippen«, so der Landrat. Deshalb soll der Zuschuss des Kreises erhöht werden. Von 3,90 Euro auf 5,50 Euro für unter Dreijährige und auf 4,50 für über Dreijährige – so lauten die Zahlen auf dem Antrag, den der Landrat am 16. Mai im Kreistag einbringen will. Dies habe zur Folge, dass die Elternbeiträge nach unten korrigiert werden können. »Dann haben wir einen Stand erreicht, an dem wir mit den Einrichtungen gleich ziehen«, so Walter. Denn für viele Eltern sei es vor allem eine finanzielle Frage, wie und wo sie ihr Kind betreuen lassen.
Doch nicht nur. Wenn es um die Obhut bei der Tagesmutter geht, seien viele Eltern kritisch, erklärte Annette Geist. Vor allem die Frage, was passiert, wenn die Tagesmutter einmal ausfällt, treibe die Eltern um. »Es wird individuell reagiert«, antwortet Annette Geist. Wie beispielsweise die Ergänzung von Sandra Stohr bei Gudrun Walker mit ihrer Fuß-Verletzung. »Wir haben aber relativ selten die Situation, dass eine Vertretung notwendig wird«, verdeutlicht Geist.
Vom »Mutterphänomen« spricht Gudrun Walker, die sich nicht daran erinnern kann, in den vergangenen zehn Jahren einmal krank gewesen zu sein. »Wir sind immun gegen Bakterien und Viren«, sagt die Tagesmutter.