Eine Halle, viele Nutzer: Per Computersimulation wird der Konzert- zum Ballsaal. pr
1. DEZEMBER 2011
In der Adventszeit wurde rund um die Stadthalle emsig weitergeschafft. Namensgebung, Innenausstattung und Hotelprojekt ließen die Köpfe in Verwaltung und Stadthallen-Projektkgruppe rauchen.
REUTLINGEN. Akt eins ging mit der Namensgebung über die Bühne. Sie fand in der letzten Gemeinderatssitzung statt. "Stadthalle Reutlingen", so soll das Veranstaltungshaus, laut Ratsbeschluss, heißen. Weiterhin hatte der Gemeinderat über die Verbesserung der Innenausstattung zu entscheiden. Auch hier kam man zu einer Einigung. Die 947 000 Euro teure Kapazitätserweiterung wurde durchgewunken. Wobei das Risiko einer realen Kostensteigerung ausgeschlossen wurde, da das Geld aus dem Baubudget genommen werden soll.
Im Vorfeld zur Sitzung informierten Baubürgermeisterin Ulrike Hotz, Projektgruppen-Chef Klaus Kessler und der Geschäftsführer der Stadthallen GmbH Volker Schmidtke über die Pläne zur Verbesserung der Innenausstattung. Gewünscht seien Anschaffungen wie zusätzliche Stühle, Bühnentechnik und Mobiliar für Konferenzräume. Man habe bisher äußerst wirtschaftlich gearbeitet, erläuterten Hotz und Kessler. Im Kostenrahmen wurden Verbesserungen wie die zusätzliche Dämmung, hochwertige Wandverkleidung im kleinen Saal und manches mehr realisiert. Gespart wurde bislang allerdings bei Details wie der Bühnentechnik. Hier galt bislang das Credo: Eher leihen als kaufen. Auf die Dauer gehe aber auch das ins Geld, so Kessler.
Für 452 000 Euro sollen jetzt Kettenzüge, LED-Leuchten und Profilscheinwerfer angeschafft werden – bei einer Auslastung der Halle von bis zu 1 000 Nutzungen im Jahr eine sinnvolle Sache, fanden die Planer. Volker Schmidtke, Geschäftsführer der Stadthallen GmbH, sprach von einem Dreischichtbetrieb in Saisonzeiten. Von ihm kam auch das Argument für eine Erhöhung der Stuhlkapazität. Die Halle soll künftig bis auf 1 800 Plätze aufgestuhlt werden. Die bisherige Planung sah 1 450 vor. Dies ist, laut Schmidtke die beste Voraussetzung, um sich gegenüber Konkurrenzhallen zu profilieren. Südlich von Stuttgart gebe es keine Halle in dieser Größe – Veranstalter großer Gastspiele könnten damit vermehrt nach Reutlingen gezogen werden. Bis März 2013 habe er schon 38 Anfragen von Veranstaltern, die genau diese Größe suchten. Die Kosten für 350 zusätzliche Stühle belaufen sich auf 270 000 Euro.
Weitere 225 000 Euro sollen in die Schaffung von Konferenz- und Tagungsräumen im Obergeschoss investiert werden. Mit ihrer Vermietung könne zusätzliches Geld in die städtischen Kassen fließen, so Schmidtke. Die Gesamtinvestion für die erweiterte Kapazität von 947 000 Euro wird aus dem Topf "Unvorhergesehenes" des Stadthallen-Budgets genommen. Für weitere "unvorhergesehene" Ausgaben bleiben noch 1,6 Millionen Euro in diesem Topf.
Weniger um Geld als um Glanzstücke geht es beim nächsten Akt des Planungsheaters. Und zwar um Glanzstücke aus den fünf Architekturbüros Max Dudler, Berlin, Bayer & Strobel, Kaiserslautern, Schwille+Walk, Reutlingen, Riehle+Assoziierte, Reutlingen, und Coast Office Architecture, Stuttgart. Sie alle haben am Wettbewerb für ein Hotel auf dem Bruderhausgelände teilgenommen. Am vergangenen Samstag ermittelte das Preisgericht den Gewinner. Das Rennen machte erneut Stadthallenarchitekt Max Dudler. Sein Entwurf sieht ein schlankes Gebäude an der Westseite des Bürgerparks vor, das, so die Begründung des Preisgerichts, "hohe gestalterische Qualität" aufweist.
Besonders überzeugend seien auch die Bezüge zum Krankenhäusle, das die gleiche Fassadenfarbe haben werde, sowie zum Bürgerpark, erläuterte der Jury-Vorsitzende Arno Lederer. Ein Fußgängersteg verbindet das Gebäude mit der Stadthalle und die Hoteltiefgarage lässt sich mit der Tiefgarage der Stadthalle verbinden. Damit gibt’s bei Bedarf mehr Parkplätze für die Konzertbesucher. Der Entwurf muss allerdings noch ein wenig überarbeitet werden. Im Januar wird die optimierte Fassung der Jury noch einmal vorgelegt und dann endgültig abgesegnet. Ausgelobt wurde der Wettbewerb von Hubertus Wichmann vom Büro Wichmann aus Stuttgarter. Der Unternehmensberater ist von der Stadt mit der Suche nach einem Hotel-Investor beauftragt worden. Er wird im kommenden Jahr mit dem Siegerentwurf auf Werbetour gehen. –alm
INFO: Die Wettbewerbsentwürfe können am 1., 5., 15. und 22. Dezember, 16 bis 19 Uhr, im Krankenhäusle besichtigt werden.