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Wenn die Welt untergeht

Ein ähnliches Kaliber wie auf dieser Agentur-Aufnahme müssen die Hagelkörner in Pfrondorf gehabt haben.
Foto: Chris White/Fotolia

8. September 2011
 

Davon geht die Welt nicht unter. Nein, das tut sie nicht. Aber was da am Freitagabend so urplötzlich aus einer schwarzen Wolkenfront über Pfrondorf hereinbrach, das konnte den Getroffenen des Hagelschlags tief im Gemüt schon so vorkommen. Ein Schock.
 

Stellenweise meterhoch türmten sich nach dem Beschuss die tischtennisball-großen Stücke, schwammen Eisberge die Straßen hinab. Noch am Morgen danach wurde Eis geschippt wie Schnee im tiefsten Winter.

Solche düster bedrohlichen Unwetterwolken gab es schon öfter, gerade in diesem Jahr. Und auch nebenan glich die plötzliche Dunkelheit samt der gespenstischen Stille vor dem Aufheulen des Sturmes wieder ansatzweise einer Sonnenfinsternis. In der Tübinger Nachbarschaft blieb es, von etwas Hagel in der Altstadt und auf WHO abgesehen, danach beim Wolkenbruch. Doch exakt Pfrondorf traf dieser gigantische Hagelschlag. Für die Getroffenen schon ein Jahrhundertereignis.

Gut, die in Euro und Cent bezifferbaren Schäden halten sich gleichfalls noch in überschaubar engen Grenzen. Vieles, vielleicht sogar das meiste der Zerstörungen an Hab und Gut tragen wohl die Versicherungen: Autobeulen, zerdepperte Scheiben, durchlöcherte Rollläden. Aber auch der Anblick eines verwüsteten Gartens und entlaubter Bäume kann fassungslos machen. Die zerschossenen Äpfel bringt niemand gern zur Mosterei.

Weil kein Filmteam hingeschickt wurde und kein Boulevardmagazin Notiz von Amateur-Aufnahmen nahm, wird diese Katastrophe Pfrondorf nicht weithin bekannt machen, sondern nur tief und lang im Gedächtnis der Pfrondorfer selbst verankert bleiben. So ähnlich wie das Hochwasser bei den Lustnauern: 24 Jahre danach hat der tiefsitzende Schock von damals jetzt endlich Folgen. Der nun schon in seinen verkleinerten Dimensionen sichtbare Damm verschandelt das Bebenhäuser Tal empfindlich. Aber man nimmt das schützende Monster klaglos in Kauf.

Tübingen ist in diesem schon jetzt denkwürdigen Jahr 2011 ansonsten bisher noch von Unbill und Sensationen ziemlich verschont geblieben. Wenigstens an der partiellen Sonnenfinsternis im Januar hatte es Anteil, ein wenig auch an der grünen Machtübernahme im Ländle.

In der Ferne, draußen in der weiten Welt entfachten sich Arabische Revolutionen, wurden Diktatoren gestürzt. Beben und Tsunami mitsamt Atomkatastrophe brachen über Japan herein. Amerikanische Navy-Seals exekutierten in Pakistan den Terror-Guru Osama Bin-Laden.

Norwegen rückte nach dem bizarren Massaker enger zusammen. Massenproteste gab es in Portugal, Spanien, Israel, Italien, gewalttätige Unruhen in Griechenland und Gewaltausbrüche mit Plünderungen und Brandstiftungen gar bei den Briten.

Börsencrashs, Euro-Ängste, Griechen-Pleite und Schuldenfallen tun sich auf. Die Krise eines hemmungslosen Kapitalismus spitzt sich zu.
Da kann womöglich viel untergehen. Die Welt nicht, noch nicht. Selbst Tübingens beachtlicher esoterisch angehauchten Teil sieht noch eine Gnadenfrist. Denn die Endzeit-Propheten starren auf die Tage vor Weihnachten 2012. Dann nämlich endet der sagenumwobene Kalender der Maya. Angeblich geht dann die Welt unter.

Seriöse ethnologische Experten geben aber Entwarnung. Denn zu dem ominösen Datum kehrt nur erstmals der Beginn der »Langen Zählung« mit dem Tag Nummer 13.0.0.0.0. wieder. Nichts geht da unter. Da geht allenfalls ein ähnlicher Schlamassel von vorne los, wie er sich seit dem 11. August 3114 vor Christus abgespielt hat. Das war für die Maya ihre Stunde Null.
 
 

08.09.2011 - aktualisiert: 08.09.2011 09:12 Uhr

 

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