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Sportsfreund: Sündenbock

2. SEPTEMBER 2010
 

"Was die Pfeifen an den Pfeifen nicht so alles pfeifen". Selten urteilen Fußballfans so wortspielerisch elegant über Fehlgriffe von Schiedsrichtern. Vielmehr sind die schwarzen Männer, die heute oft ziemlich bunt und neonfarben über den Platz tänzeln, der Inbegriff des Sündenbocks.

Vor allem Verlierer suchen gern die Schuld bei den Unparteiischen. Das wiederum ist verständlich, liegt es doch in der Wesensart des Menschen, sich selbst nie als Schuldigen zu sehen. Aus Jugendschutzgründen können wir hier an dieser Stelle keine Originalzitate veröffentlichen, da auch Kinder unter 18 Jahren um diese Lesezeit noch wach sind und diese dann nachahmen könnten, was wir auf alle Fälle verhindern wollen.

Deshalb widmen wir uns ganz neutral dem neutralen Mann auf dem grünen Rasen. Mittlerweile läuft der Fußballbetrieb ja wieder auf Hochtouren. Dann sind die Schwarzen Männer wieder gefragt, denn ohne sie geht erst Mal nichts. Kritiker hören wir nun sagen, mit ihnen auch nichts. Aber wer soll den Job auch machen. So sind nun mal die Regeln.

Aber um hier nicht in Plattheiten und Plattfüßen zu versinken, widmen wir uns wieder Habhaftem zu und behaupten: Die Pfeifen an den Pfeifen sind gar keine. Oder um mit Ewald Lienen zu sprechen: "Wir haben nicht das Recht, jede Entscheidung des Schiedsrichters zu kommentieren. Der lacht sich ja auch nicht tot, wenn wir einen Fehlpass spielen."

Wobei das noch einmal hinterfragt werden müsste. Nein aber ganz im Ernst: Schiedsrichter sind auch nur Menschen und wir Zuschauer und Fans so beeinflusst von Zeitlupe, Wiederholungen und Vereinstreue, dass unser rosaroter Blick uns hindert, die Leistungen der Männer an den Pfeifen neutral zu würdigen. Unsere Hauptsorge gilt dabei nicht den Bundesliga-Schiedsrichtern, die sich massiver Kritik ausgeliefert sehen.

Wir denken dabei vielmehr an die vielen hundert Schwarzen Männer, die in den unteren Ligen des Amateurfußball Woche für Woche dafür sorgen, dass Ligen überhaupt stattfinden. Doch gerade in den unteren Klassen sehen sich die Unparteiischen oft handfesten Argumenten gegenüber. Schwere Körperverletzung ist keine Seltenheit mehr.

Im fränkischen Creidlitz etwa schlug ein Mitspieler eines Rotsünders vom Gegner Wüstenanhorn den Schiri nieder und trat den am Boden liegenden mit den Kickstiefeln in den Nacken. Das ist alles andere als sportlich, sondern körper- und geistverletzend. Dem Fußball tut damit keiner einen Gefallen.

Dann ermittelt die Polizei. Das macht den Fußball kaputt. Deshalb appellieren wir an die Fans auf jedweder Seite zur Fairness und Gelassenheit und hören uns mal an, was zwei Große des Kicksports, die längst fast vergessen sind, einmal zum Besten gegeben haben. "Im Großen und Ganzen war es ein Spiel, das, wenn es anders läuft, auch anders hätte ausgehen können."

Bravo Eike Immel. Es sind die einfachen Dinge, die nicht jeder aussprechen kann. Ein Meister dessen ist auch Andreas Brehme. Der Weltmeister-Elfmetertorschütze von 1990 ist rhetorisch eher unbegabt, aber was soll so ein Spieler auch machen, wenn er permanent gefragt wird. Also hat der gebürtige Hamburger und Ex-Assistent von Trainerlegende Giovanni Trappatoni (Wir erinnern uns: "Fußball ist ding, dang, dong") eine einfache Weisheit der Welt hinterlassen. "Wenn der Mann in Schwarz pfeift, kann der Schiedsrichter auch nichts mehr machen."
 
 

Dieter Reisner

02.09.2010 - aktualisiert: 02.09.2010 10:21 Uhr

 

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