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Gutes aus dem Wald ­- und Giftiges

Die Wälder stehen nach dem nassen August voll von Pilzen.
Foto: Fotolia

2. September 2010
 

Jetzt ist die Zeit. Nach dem nassen August stehen die Wälder voll von Pilzen. Etwas früher als sonst hat die Saison begonnen, sagen die Kenner. Und es wird ein gutes Pilzjahr im Schönbuch und Rammert, am Spitzberg und auf den Härten, vom Albtrauf bis zum Pfaffenberg. Das scheint schon sicher.
 

Es gibt eben Dinge, die gibt‘s nicht im Supermarkt. Da sind zwar das ganze Jahr über weiße und braune Champignons und Austern- und Kräuterseitlinge aus Kulturen zu haben, manchmal auch Spezialitäten aus fernen Ländern wie der heilkräftige asiatische Shitake. Aber richtige frische Waldpilze sind kaum je im Angebot, sieht man mal von den feinen Pfifferlingen ab, die sommers aus östlichen Gegenden zwischen Russland, Bulgarien und Polen zu uns kommen. Die findet man wild hier eher selten.

Doch sonst halten die hiesigen Wälder und Wiesen alle möglichen Köstlichkeiten bereit für den, der sich auskennt. Das ist gewiss nicht ganz leicht bei geschätzten 5 000 heimischen Pilzarten. Aber es ist nötig. Denn nur einige davon sind wirklich schmackhaft, viele ungenießbar, eine ganze Reihe ein klein wenig bis ziemlich giftig und der eine oder andere gar absolut tödlich. Allen voran der Grüne Knollenblätterpilz.

Eine Statistik aus den Jahren 1980 bis 2004 verzeichnet pro Jahr zwischen 13 (1981) und gar keinem (1997) an giftigen Pilzen gestorbenen Menschen in Deutschland. Im Durchschnitt sind das weniger als die im Mittel alljährlich vier von einem Blitz erschlagenen Bundesbürger. Aber ausgerechnet 2005 gab es in Tübingen dann einen doppelt tödlichen Fall: In der Klinik starben ein Mann aus Herrenberg und seine Tochter einen langsamen Tod. Binnen 8 Tagen, manchmal auch zwei Wochen zersetzt das einschlägige Knollenblätterpilz-Gift Amanitin die Leber.

Wirkliche Pilzfreunde schreckt dieser tragische Tod natürlich nicht dauerhaft vom Sammeln ab. Aber manche, die nun nicht die ausgewiesenen Kenner sind, mag es zu einer gewissen Vorsicht angehalten haben. Es heißt, sie könnten das Restrisiko verringern, wenn sie sich ausschließlich an Röhrenpilze mit ihrer schwammmartigen Unterseite halten und die Lamellenpilze ganz meiden. Besser aber ist es sicher, sich als weniger erfahrener Laie ganz auf einige wenige Pilze zu beschränken, die man genau kennt und bei denen es kaum Verwechslungsmöglichkeiten gibt.

Und noch besser wird es sein, sich der Führung von echten Fachleuten anzuvertrauen. Kein noch so gutes Bestimmungsbuch kann das Urteil und die Erfahrung des Kenners ersetzen. Und nirgendwo lernen angehende Pilzfreunde mehr als beim Sammeln unter kundiger Anleitung. In Zweifelsfällen findet man auch hernach noch Rat, etwa in manchen Apotheken.

Auch Siegfried Lelke, der Tübinger Pilzfachmann schlechthin, steht noch mit seinem profunden Wissen zur Verfügung. Gelegentlich (aber altershalber nur noch ganz selten) bietet der Mann vom Herbstenhof sogar noch Führungen an.

Es lohnt sich, früh aufzustehen. Denn so schnell wie sie aus dem Boden schießen und wachsen, sind etwa prachtvolle Steinpilze von anderen Sammlern entdeckt oder dann auch von Schnecken angerknabbert und von Maden durchsetzt.

Aber es gibt neben dem begehrtesten aller Waldpilze noch andere Arten, bei denen die Chancen besser stehen und der Genuss - mit recht hoher Erkennungssicherheit - kaum geringer ist. Junge Schopftintlinge zum Beispiel, die auch auf Wiesen zu finden sind, die im Schönbuch recht verbreiteten strohgelben Semmelstoppelpilze, die schwarzgrauen Herbsttrompeten, die sich auch gut trocknen lassen, oder gar mal eine Krause Glucke. Wenn man Glück hat...
 
 

02.09.2010 - aktualisiert: 02.09.2010 10:20 Uhr

 

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