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»Wir sind dem Zeitplan zwei Wochen voraus«

Til Eder, stellvertetender Leiter der Projektgruppe Stadthalle.
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26. AUGUST 2010
 

Der Bau der Stadthalle macht Fortschritte: Monatelang wurde die Baugrube ausgehoben. Jetzt ebnen erste Betonplatten den Grund, auf dem später die Halle stehen soll. Um die 30 Männer mit gelben Helmen sind täglich in dem 5 400 Quadratmeter großen Areal der Baugrube zugange. Für sie sind die sonst üblichen Handwerkerferien zur Zeit kein Thema. Genauso wenig wie für Til Eder und Marco Füller.
 

REUTLINGEN. Der stellvertretende Leiter der Projektgruppe Stadthalle und der Oberbauleiter machen nur kurz Urlaub in diesem Jahr. Beide sind ständig gefragt auf dem Bau. Zwar, so führt Füller aus, sei man noch in einer relativ ruhigen Arbeitsphase, doch auch die will intensiv genutzt werden. Der Rohbau nimmt sie voll in Anspruch.

Die "Weiße Wanne"
Zurzeit entstehen die Betonplatten für den Tiefgaragenboden und die dazugehörigen Wände. Zusammengenommen ist das die so genannte "Weiße Wanne". Während die Betonbauer die "Wanne" bauen, die einmal die Halle tragen wird, ist Marco Füller ständig dabei. Täglich ein- bis zweimal macht der Bauleiter seinen Rundgang, steigt sechseinhalb Meter in die Grube hinab und ist dann mit den Arbeitern auf Augenhöhe. Hauptansprechpartner für den erfahrenen Bauingenieur ist die Firma Riedel Bau aus Schweinfurt, die die gesamten Rohbauarbeiten durchführt. Füller führt im Auftrag des Architekturbüros Max Dudler die Bauleitung für die Hochbauarbeiten aus.

Beton und nochmals Beton
"Die gesamte Bodenfläche des Rohbaus besteht aus acht Feldern", erklärt Til Eder. Jedes dieser Felder muss Stück für Stück ausbetoniert werden. Sorgsam und mit System. Zuerst kommt Kies auf den rohen Boden, dann eine dünne (Ausgleichs-)Schicht Beton und erst dann die eigentliche Bodenplatte. Sie erhält ihre Festigkeit durch gitterförmig ausgelegte Stahlstäbe, die nach dem Betonieren vollständig von Beton umhüllt sind. Für jeden Schritt sind andere Männer zuständig. Einige von ihnen legen Fugenmaterial aus Kunststoff aus. "Ein heikler Punkt, der viel Aufmerksamkeit erfordert". Marco Füller deutet auf die Echaz, die unweit des Baus vorbeifließt. "Wir haben hier einen hohen Grundwasserspiegel ­ die Dichtungsbänder in den Fugen halten das Wasser zurück, wenn die Betonplatten beim Trocknen schrumpfen". Von den Fugen wird man später genauso wenig sehen, wie etwa von den vielen, vielen Stahlstäben, die in den Wänden stecken.

Das ist einer der Punkte, der Til Eder an dieser Baustelle besonders wichtig ist. "Wir wollen ja keine Situation wie beim U-Bahn-Bau in Köln". Dort führte der Mangel an Stahlelementen zum Baudesaster. "Bei uns werden die benötigten Mengen an Stahl genau geplant. Der Einbau wird doppelt überprüft". Der Tragwerksplaner vor Ort und ein unabhängiger Prüfstatiker überprüfen regelmäßig, ob alles nach Plan läuft. Zurzeit sind neben den Betonarbeiten auch teilweise schon Sanitär- und Elektroarbeiten im Gange. "Damit werden Haustechnik und Sanitäranlagen vorbereitet", erläutert Marco Füller beim Rundgang übers Gelände. Der Bauleiter verdeutlicht: "Wir haben es hier mit einem erweiterten Rohbau zu tun". Das heißt, dass die Rohbaufirma Fachleute einsetzt, die zeitgleich zu den Betonarbeiten noch weitere Montagen wie Dämmungs-, Dichtungs-, Installations- und Blitzschutzarbeiten durchführen.

Ein mittelgroßer Fisch
Das macht sich bemerkbar: Den ganzen Tag wird gehämmert, geklopft, glatt gestrichen und planiert: Ob an den zukünftigen Technikräumen, die jetzt noch wie kleine Bunker aussehen, auf den Beton- oder Kiesflächen oder am Betonlaster ­ überall gibt‘s vollen Einsatz. "Die Stimmung ist gut", betont Eder, der auch ein Extra-Lob für die Rohbaufirma in Petto hat. "Alle Arbeiten sind gut organisiert". Was soviel heißt wie: Es gibt keine Leerzeiten. Marco Füller setzt sogar noch eins drauf: "Wir sind dem Zeitplan zwei Wochen voraus". Für den Bauingenieur ist die Stadthalle "kein großer" ­ eher ein "mittelgroßer Fisch". Seine letzte große Baustelle hat der 39-jährige Bauleiter in Berlin geführt. Dabei ist das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum (von Max Dudler, die neue Bibliothek der Humboldt-Universität) entstanden. "Das war um einiges größer", schmunzelt Füller. Im September zieht das Tempo aber auch auf dem Bruderhaus-Gelände an. Dann werden die Fassadenarbeiten vergeben. Ende des Jahres ist der Rohbau der Tiefgarage fertig und im März 2011 beginnt der Fassadenbau. "Wenn dann fünf und mehr Gewerke auf der Baustelle sind, ist richtig was los", betont Füller und fast könnte man meinen, der rührige Bauleiter reibt sich in Gedanken schon die Hände.

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ANJA ALLMERITTER

26.08.2010 - aktualisiert: 14.07.2011 11:12 Uhr

 






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