19. August 2010
Während der Bund noch über die Einführung einer Familienkarte nachdenkt, ist sie in Tübingen bereits Realität. Die Bonuscard gibt es seit zwölf Jahren. Sie ermöglicht allen Geringverdienenden die vergünstigte Teilnahme an Bildungsangeboten und anderen Leistungen in der Stadt. Für Kinder will die Stadt jetzt noch einen Schritt weiter gehen.
Bisher sind unter anderem die Musikschule und die Stadtbücherei, aber auch die Familienbildungsstätte, die Volkshochschule und andere Bildungsträger an Bord. Einige Tübinger Einzelhändler und Gaststätten, die Museen und die örtlichen Theater bieten ebenfalls Vergünstigungen für Bonuscard-Inhaber an. Doch dieses Angebot soll sich noch in diesem Jahr erweitern: Zusätzlich zur Bonuscard wollen sich ab Herbst 2010 mehr als 50 Organisationen, Vereine und Anbieter an einer speziellen KinderCard beteiligen.
Fröhlich bunt, im handlichen Scheckkartenformat, berechtigt sie die Kinder von Geringverdienenden zu vielen kostenlosen oder ermäßigten Angeboten in Sport, Musik, Kultur, Spiel und Bildung. Allen Kindern soll es ermöglicht werden, ein Musikinstrument zu lernen, in einem Sportverein zu trainieren, einen Malkurs zu besuchen oder Nachhilfeunterricht zu nehmen unabhängig vom Einkommen der Eltern.
»Die Tatsache, dass wir in der Stadt gezielt um Leistungen für Kinder geworben haben, hat noch einmal sehr viele Türen geöffnet«, freut sich der Erste Bürgermeister Michael Lucke. In sein Ressort fällt die Stabstelle für Familie, welche die Akquise und Koordination der Angebote übernommen hat. Angeregt wurde die KinderCard vom Tübinger Bündnis für Familien, einem Zusammenschluss von mehr als 60 Initiativen und Einzelpersonen. In dem Vorschlag der Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen für eine bundesweite Familienkarte sieht Lucke einen willkommenen Vorstoß: »200 Euro vom Bund wären ein zusätzlicher Geldsegen, der die Tübinger Kinderkarte noch einmal aufwerten würde«, so Lucke. »Wir sind bereit: Einen Chip könnten wir innerhalb kürzester Zeit in unsere bestehenden Karten integrieren«.
Die KinderCard
Alle Ermäßigungen zusammengerechnet ergeben einen Vorteil von weit über 2 500 Euro, darunter die Mitgliedsbeiträge in elf Sportvereinen, von denen die Kinder und Jugendlichen die für sie passenden Angebote auswählen können. Die KinderCard richtet sich an Tübinger Kinder und Jugendliche, deren Eltern ein geringes Einkommen haben. Die Einkommensgrenzen sind identisch mit denen der BonusCard.
Beispielsweise die freien oder halbierten Mitgliedschaften in den Sportvereinen bedeuten eine jährliche Kostenersparnis zwischen 20 und 120 Euro pro Kind und Verein für Alleinerziehende oder Familien mit mehreren Kindern ein nicht unerheblicher Betrag. Die Musikschule Tübingen bietet Unterricht zum halben Preis, was eine Kostenersparnis von 340 Euro pro Jahr bedeutet. Die Musikvereine der Ortsteile geben stark ermäßigten Unterricht, teilweise werden sogar die Musikinstrumente kostenlos verliehen.
Im Stadtmuseum und im Schloss Hohentübingen gibt es freien Eintritt, die Familienbildungsstätte bietet Babymassage oder Eltern-Kind-Gruppen nach PEKIP. Bei der VHS gibt es stark ermäßigte Kinderschwimmkurse, die Ersparnis liegt hier bei 60 Euro, oder Computerkurse, 30 Euro günstiger, und wer mag, kann einmal pro Jahr gratis ins Theater gehen.
Für Kinderfahrräder gibt es je nach Anbieter einen kostenlosen Sicherheitscheck, 20 Prozent auf Ersatzteile oder kostenlose Anleitung und Hilfe bei der Reparatur.
Für die Prüfungsvorbereitung gewährt Infö 30 Prozent Nachlass auf die Kurse, gleiches gilt für das Deutsch-Französische Institut, hier liegt die Ersparnis bei bis zu 118 Euro bei der Abitursbegleitung, und das d.a.i. An der Tübinger Kunsthalle können die beliebten Kinderkunstkurse mit Hilfe der Sparkasse kostenlos gebucht werden, die Kostenersparnis liegt hier bei 40 Euro pro Kurs.