29. Juli 2010
Der Tübinger »Löwen« hat im Laufe seiner Geschichte schon eine Vielzahl an Wandlungen erlebt. Er war Brauereigaststätte und Versammlungsort der Arbeiterbewegung, ideologisches Theater und charmantes Kino. Nun will ihn die Stadt mit einem neuen Nutzungskonzept aus dem Dornröschenschlaf wecken.
Seit vier Jahren stehen die Filmprojektoren des zuletzt als Kino genutzten »Löwen« still. Von ein paar Veranstaltungen abgesehen insgesamt 40 in zwei Jahren schlummerte der Traditions-Veranstaltungsort im Dämmerschlaf vor sich hin. Doch das soll sich nun ändern. Drei Jahre nachdem die Stadt das Gebäude gekauft hat, soll nun ein neues Nutzungskonzept den »Löwen« in eine Theater- und Kleinkunstbühne verwandeln.
Obwohl die Sanierung aus Kostengründen erstmal auf Eis liegt, will Kulturamtsleiterin Daniela Rathe den Status Quo nicht länger hinnehmen. Zwar wurde der Saal auch in den letzten Jahren immer mal wieder genutzt, doch viel zu selten »für so ein attraktives Gebäude«, wie Rathe berichtet. Und: Was dort gespielt wurde, war eher vom Zufallsprinzip bestimmt »ein Kessel Buntes«, so die Kulturamtsleiterin weiter. Gemeinsam mit den Zimmertheater-Intendanten Axel Krauße und Christian Schäfer sowie der Künstlerin Petra Afonin hat ihr Amt nun ein neues Nutzungskonzept entwickelt.
Das Zimmertheater war in der Vergangenheit immer mal wieder zu Gast im »Löwen«, dieses Engagement soll nun ausgebaut werden. Natürlich kämen dabei nicht alle Veranstaltungen in Frage »der ‘Löwen‘ soll aber auch nicht zur dritten Spielstätte des Zimmertheaters werden«, so Krauße. Eher ein Ort der leisen Töne beispielsweise mit Lesungen und Konzerten.
Aber auch Kleinkunstveranstaltungen sollen nicht zu kurz kommen. Die Tübinger Künstlerin Petra Afonin will ihre bisherigen Kabarett- und Chanson-Programme ebenso auf die Bühne bringen wie ihre neue Reihe: »Salonglöwinnen«. Dabei will sie Kabarettistinnen und Künstlerinnen aus ganz Deutschland nach Tübingen holen. »Da gibt es ein paar ganz interessante Frauen«, so Afonin. Dazu sollen auch nach wie vor das Kulturamt und andere Künstler das Gebäude nutzen können. »Der Ort wird weiterhin in die Tübinger Kulturlandschaft eingebunden«, verspricht Christian Schäfer. Die erste Veranstaltung ist für den 2. Oktober geplant ein Konzert mit Christof Stählin.
Trotz leerer Kassen wollen die Macher die Herausforderung annehmen und das ehemalige Kino in eine Veranstaltungsbühne verwandeln. »Bisher war es für die Künstler immer sehr schwierig, dort aufzutreten«, erklärt Rathe. Schließlich hätten sie sich um sämtliche Infrastruktur selbst kümmern müssen. Deshalb ist für die Organisatoren das Konzept auch nur tragbar, wenn vor Ort alles entsprechend eingerichtet wird. Aus diesem Grund wurden kurzerhand 15 000 Euro aus dem Afro-Brasil-Topf umgewidmet und fließen nun in die technische Ausstattung des »Löwen«.
Damit sind zwar keine großen Sprünge möglich, aber immerhin reicht es für eine Erweiterung der Bühne mit Zugang von hinten und nicht durch den Zuschauersaal. Auch Mischpulte, Lichttechnik, zwei Vorhänge und gebrauchte Lautsprecher aus der Paul-Horn-Arena gehören zu den Verbesserungen. Trotzdem kann noch nicht für alles gesorgt werden. Unter anderem fehlt es Petra Afonin noch an einem geeigneten Klavier, für das sie derzeit Sponsoren sucht.
Die Künstler müssen für die Benutzung der Räume keine Miete bezahlen. Nur Strom-, Heiz- und Reinigungskosten fallen an. Einen symbolischen Mietpreis bezahlt der Verein Arabischer Studenten, der sein Büro im Obergeschoss des Gebäudes untergebracht hat. »Wir haben uns absichtlich einen Verein ausgesucht, der finanziell nicht so gut gestellt ist«, erkärt Rathe. Auch Adwan Taleb, Vorsitzender des Vereins und Organisator des Arabischen Filmfestivals, freut sich über die neuen Räume »bisher musste ich immer sagen: mein Handy ist mein Büro«.
Infos: loewen@tuebingen.de