29. Juli 2010
Böse Zungen behaupten: In Schwaben beginnen die Sommerferien, wenn der Sommer vorbei ist. Zumindest für dieses Jahr stimmt das. Schwitzten und stöhnten die Tübinger Schüler und Lehrer noch in den stressigen letzten Wochen des Schuljahres unter der Hitzewelle zusätzlich, so dürfen sie jetzt zu fast schon früh-herbstlicher Kühle in die Ferien, unter gelegentlichen Schauern und Gewittern, manchmal ergiebigem Landregen.
Zwar leert sich die Stadt von heute an sichtlich, zumal ja auch die Studenten den Veranstaltungsteil ihres Sommersemesters schon vor zwei Wochen abgeschlossen haben. Dass aber so eine richtige Sommerruhe einkehrt, das dauert noch eine Weile. Denn zunächst mal gibt es allenthalben Ferienprogramm, Sommerprogramm.
Da gehört das Spatzennest dazu, mit seinen zwei Freizeiten oben bei Pfrondorf begehrt wie eh und je. Dazu gehört aber auch eine Fülle von Events und Angeboten. Denn schließlich verschwindet nur ein Teil der Tübinger in womöglich sonnigere ferne Gefilde. Der Rest will auch unterhalten sein.
Es geht sofort los, wenn es nicht sogar schon längst im Gange ist wie die Sommertheater des LTT auf der Platanenallee (»Klein Zaches«) oder des Melchinger Lindenhofs in der Mössinger Pausa (»Die Schutzsuchenden«). Am Sonntag ist die Gastspiel-Aufführung von Verdis »Nabucco« im Innenhof von Schloss Hohentübingen, ein Experiment.
Die Alma Mater bietet ihre Sommeruni an mit zehn Vorlesungen, die sich thematisch von Runenrätseln bis zur Klimakatastrophe erstrecken. Es gibt auch Sommerführungen unter der Rubrik »Kennen Sie Tübingen?«. Kulturreferat und Museumsgesellschaft laden zu Sommerkonzerten ins Kloster Bebenhausen, das Sommerkino in den Alten Schlachthof, die Gastronomen zur kulinarischen Sommerinsel an den Anlagensee, die Wassermusik-Veranstalter auf die Floße und Stocherkähne...
Haben wir was vergessen? Aber sicher: eine unüberschaubare Unmenge an wunderbaren Sachen in der Stadt, in der nahen und weiteren Umgebung. Und, naja, die heikle Sache mit dem Wetter.
Aber der Sommer soll ja wettertechnisch noch nicht vorbei sein, allenfalls die ganz dicke Hitze, sagen die Meteorologen. Traditionell sind Bayern und Baden-Württemberg mit ihren Ferienterminen die letzten Länder im Kalender. Andere fangen schon im Juni an. Als klimatisch noch etwas Verlass auf ein spätes Kontinentalhoch war, galten die späten Sommerferien als Privileg. Inzwischen gibt es wohl ein erhöhtes Wolkenrisiko. Ausgleichende Gerechtigkeit.
Andererseits: In Bremen, in Niedersachsen, in großen Teilen des Ostens sind die Ferien am übernächsten Montag schon wieder rum. Dann doch lieber noch sechs freie Wochen mit So-lala-Wetter.