29. Juli 2010
Diese Nachricht beunruhigt: In ganz Deutschland findet sich Uran im Wasser und zwar nicht nur in der Nähe einer Mine. Das Schwermetall ist aber weniger durch seine radioaktive Strahlung gefährlich, sondern vielmehr als Gift.
Dabei unterliegt es als einziges Schwermetall keiner strengen Überwachung durch Behörden. In Nürtingen wurde wegen zu hoher Uranbelastung 2005 die Heinrichsquelle vorsichtshalber geschlossen. Rekordwerte von 474 Mikrogramm pro Liter wurden nachgewiesen. Wir haben bei Martin Rücker vom Verbraucherschutzverein foodwatch nachgefragt.
Hallo Herr Rücker, wie gefährlich ist Uran? Kann es für Menschen tödlich sein?
Martin Rücker: Wenn Menschen Uran in hoher Dosis über einen längeren Zeitraum zu sich nehmen, kann es dauerhaft Blut, Knochen und Nieren schädigen. Die Niere reagiert am empfindlichsten, eine hohe Uranbelastung kann Funktionsstörungen und Nierenkrebs auslösen. Besonders stark sind Säuglinge und Kleinkinder diesen Gesundheitsrisiken ausgesetzt.
Warum unterlag dieses Schwermetall bislang keiner strengen Überwachung?
Rücker: Der damalige Bundesverbraucherminister Horst Seehofer hat schon 2008 gesagt, es sei niemandem mehr zu erklären, warum es nicht schon längst einen gesetzlichen Höchstwert für Uran gibt. Damit hatte er recht allerdings wurde bis heute noch immer keinen Grenzwert festgelegt. Angesichts der bekannten Gefahren muss man deutlich sagen: Hier vernachlässigt die Bundesregierung auf sträfliche Weise ihre Fürsorgepflicht für die Gesundheit der Bevölkerung.
Gibt es von politischer Seite ein Bestreben, das zu ändern?
Rücker: Bei Mineralwasser nicht hier schreckt die Politik offenbar davor zurück, sich mit den Abfüllern anzulegen. Für Trinkwasser warten wir auf den Grenzwert, den die Bundesregierung schon seit Jahren angekündigt hat. Allerdings ist offenbar in Planung, einen Höchstwert von 10 Mikrogramm Uran pro Liter festzulegen das wäre viel zu hoch, weil es Kleinkinder und Säuglinge nicht ausreichend schützen würde. Ein Grenzwert von zwei Mikrogramm wäre sicher und angemessen. Das Wasser der Nürtinger Heinrichsquelle galt als mineralreich und heilsam. Sie wurde vorsichtshalber geschlossen.
Wie kommt eigentlich Uran ins Wasser?
Rücker: Uran kommt als natürliches Element in unterschiedlichen mineralischen Verbindungen fast überall vor, im Boden, in der Luft und im Wasser. Fließt das Quell- oder Grundwasser durch uranhaltiges Gestein, nimmt es das wasserlösliche Schwermetall unvermeidlich auf. Viele Anbieter von Mineralwasser erreichen durch eine Mischung von hochbelastetem Wasser aus einem Brunnen mit weniger stark belastetem aus einem zweiten Brunnen, dass das Wasser bei Abfüllung nur noch Uranwerte im unkritischen Bereich aufweist. Bei aufbereitetem Trinkwasser ist das wesentlich einfacher: Hier dürfen auch Filter eingebaut werden, die Uran bis an die Nachweisgrenze herausfiltern können. Das ist nicht einmal teuer, es muss nur getan werden.
Warum ist das Schwermetall so weit verbreitet?
Rücker: Hohe Urankonzentrationen im Wasser gibt es vor allem dort, wo Quellen in Gebieten mit hoher natürlicher Radioaktivität liegen. Dazu gehören zum Beispiel das Erzgebirge, das Fichtelgebirge, der Bayerische Wald oder der Schwarzwald.
Was kann der Verbraucher tun, um sich zu schützen?
Rücker: Das bleibt eine Aufgabe der Politik! Der Verbraucher kann seinen Trinkwasser-Anbieter ja nicht einfach wechseln, und wie hoch verschiedene Mineralwasser-Marken belastet sind, erfährt er gar nicht erst. Die Bürger müssen schon bei den Politikern einen wirksamen Gesundheitsschutz einfordern. Zum Beispiel können sie bei unserer E-Mail-Aktion unter www.foodwatch.de/uran-aktion direkt bei der Bundesregierung sichere Grenzwerte für Uran im Trink- und im Mineralwasser verlangen.
Fragen von Dieter Reisner
Hinweis: Mehr Informationen und regionale Uranwerte sind unter
http://www.foodwatch.de/uran abrufbar.