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Schimpfeck


22. Juli 2010
 

Der Aufpasser. Was Max Munding jedes Jahr herausgibt, nennt sich etwas altmodisch bescheiden eine Denkschrift. Es ist gute alte Tradition, dass der Präsident des Landesrechnungshof in Karlsruhe sich immer wieder mal was Anderes herauspickt, was ihm an Verschwendung öffentlicher Gelder so auffällt oder besonders missfällt. Diesmal gehören die Chefärzte dazu. Keine schlechte Wahl. Wobei man freilich zunächst mal daran erinnern darf, dass der in Tübingen wohnende Max Munding nach seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr selber zu Recht in die Kritik kam, weil er sich einen persönlichen Fahrer genehmigt hatte, der ihn von Karlsruhe aus in Tübingen abholt, zu Arbeit bringt und abends wieder nach Derendingen, um anschließend selber wieder heimwärts zu kutschieren. 400 Kilometer täglich. Auch nicht gerade ein Vorbild an Sparsamkeit und Bescheidenheit.

Tübiger Kosten. Der Rechnungshof hat unter anderen Dingen auch moniert, dass beim Staatlichen Bauamt zum Erhalt maroder Gemäuer am Kloster Bebenhausen eine halbe Million Euro für einen gar zu großzügigen Erdbebenschutz verplempert wurde. In Ordnung, wobei ein Kulturgut wie diese Anlage schon auch besonderen Aufwand verdient. Nachvollziehbar ist auch die Kritik an jenen »Halbgöttern in Weiß«, die seit jeher ganz oben stehen auf den Gehaltslisten. Vergütungen von jährlich mehr als 500 000 Euro für die Chefärzte, von denen es ja in Tübingen eine ganze Menge gibt, hält Mundings Prüfbehörde für »in besonderem Maße rechtfertigungsbedürftig«. Bis auf 818 000 Euro geht das hinauf. Spitzenärzte sollen ja schon auch Spitzengehälter beziehen. Das Problem dabei ist eher das alte Privileg dieser Mediziner, nebenher Privatpatienten auf eigene Rechnung zu behandeln, wobei nicht selten zusätzlich Millioneneinkünfte »liquidiert« werden. Da auch ein Chefarzt-Tag nicht mehr als 24 Stunden hat, geht das ja irgendwie von der hochbezahlten Arbeitszeit und Arbeitskraft ab.

Hausgeburten. Spiegelverkehrt ist die Bezahlung bei den Hebammen, die wie alle sozialen und pflegenden Berufe für ihre wertvolle und schwere Arbeit seit jeher mit bescheidensten Löhnen und Honoraren abgespeist werden. Nicht nur die zusehends aussterbenden freiberuflichen Hebammen, die auch Hausgeburten anbieten, sind jetzt vergeblich Sturm gelaufen gegen eine weitere drastische Erhöhung der Berufshaftpflichtprämien. Zum 1. Juli sind ihre Versicherungen um 1300 Euro auf nun 3700 Euro pro Jahr angestiegen. Dabei sprechen vielerlei Untersuchungen keineswegs für höhere Risiken gegenüber Klinikgeburten. Dass sie um ein Vielfaches kostengünstiger sind, ist sowieso klar. Auch 190 000 Menschen, die eine Petition in dieser Sache unterzeichneten, nützten den Geburtshelferinnen nicht viel: Politiker, Krankenkassen und Versicherungen blieben hart. Die Schiedsstelle plädierte bloß für bescheidene Honoraraufschläge, die vom Hebammenverband als »in keiner Weise existenzsichernd« kritisiert werden. Mindestens ein Zehntel der Hebammen hat sofort Konsequenzen ziehen müssen, heißt es dort. Sie bieten seit diesem Monat keine häusliche Geburtshilfe mehr an.
 
 

-mab

22.07.2010 - aktualisiert: 22.07.2010 08:42 Uhr

 

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