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Ausgeschlossen, abgezockt

Wer sich aussperrt, muss manchmal tief in die Tasche greifen. Foto: Fotolia
Foto: Fotolia

22. Juli 2010
 

Man ist nicht allein in seiner Not. Sonntagmorgen. Während ich auf den Schlüsseldienst warte, kommen nacheinander zwei Nachbarn vorbei. »O je, das wird teuer!«, sagen sie. Ahnungsvoll und aus leidiger Erfahrung.
 

Am Vorabend habe ich den zweiten Schlüssel von innen stecken lassen, weshalb auch immer. Mir wird das sofort klar. Relativ ruhig gehe ich meine Möglichkeiten durch: eine offene Balkontür, ein Fenster? Diesmal leider nicht, trotz der Sommerhitze. Fünf Minuten gebe ich mir für den Versuch mit dem Plastikkärtchen. Ein Freund hat das vor vielen Jahren Mal ruckzuck hingekriegt. Mir bleibt das Kärtchen stecken.

Dann halt der Schlüsseldienst. Am Telefon der Freundin gehe ich die Gelben Seiten durch: Nummern in Menge, alle mit A und noch mehr A am Anfang, die meisten mit 24-Stunden-Service. Aha. Na gut, denke ich, man muss halt die vor Ort wählen, mit Adresse und Festnetznummer. Zwei, drei Fehlversuche, dann meldet sich ein freundlicher Herr unter einer Tübinger Nummer. Es ist kurz nach 8 Uhr.

Er verspricht »bis in einer Dreiviertelstunde« einen Mitarbeiter zu schicken. Und tatsächlich: Um 8.46 Uhr steht Kurtti (Name von der Redaktion geändert) vor der Tür. Kurtti scherzt etwas daher mit »nix gelernt« und dass es ja auch ein bisschen teurer ist, wenn er am Sonntagmorgen kommen muss.

Um 8.50 Uhr beginnt er sein Werk, bestens instruiert. Probiert mit zweierlei Winkeldrähten. Nach exakt drei Minuten ist die Tür offen. Dann schreibt er seine Rechnung. Um 8.57 Uhr steigt er wieder in seinen Wagen, fährt zurück.

Man will da keine Szene machen. Ahnt, dass das kostet, und quittiert: eine Sonntagspauschale von 83,95 Euro, zwei Fahrtpauschalen von je 12,56 Euro, »Kundendienst-Monteurkosten« von 41,61 Euro und drei Sonderzuschläge von je 13,87 Euro. Die übliche Mehrwertsteuer, macht zusammen 228, 83 Euro. Dass Kurtti noch zusätzlich eine Viertelstunde für sich draufgepackt hat, das nehme ich ihm persönlich übel.

Bei der Verbraucherzentrale ist das von mir beauftragte Unternehmen nicht unbekannt. Mit Sitz in Westfalen arbeiten sie bundesweit mit örtlichen Rufnummern und Vertragspartnern. Man käme denen juristisch schwer bei, sagt die Expertin.

Ich habe die Sonntags-Pauschale, eine Fahrpauschale und die Mehrwertsteuer überwiesen. 114,85 Euro sind immer noch viel Geld für vier Minuten Arbeit, ungelernte. So viel bekommt nicht einmal ein lebensrettender Notarzt. Mal sehen, was draus wird vor Gericht. »Sittenwidrig« könnten das Richter nennen, oder »unlauteren Wettbewerb«. Ein paar kleine Fehler hat Kurtti gemacht auf seiner Rechnung. Unterschrieben hat er leider nicht. Im Gegensatz zu mir.
 
 

22.07.2010 - aktualisiert: 22.07.2010 08:40 Uhr

 






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