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Schimpfeck


15. Juli 2010
 

Sonnenschutz. Die Sonne hat Kraft. Eigentlich schon immer. In den letzten Jahren aber, seit der Panik ums Ozonloch, hat die Kosmetikindustrie aufgerüstet wie die Supermächte im Kalten Krieg. Unter Lichtschutzfaktor 10 läuft schon fast gar nichts mehr. Die ängstlichsten Sonnenanbeter, Mütter oder Väter unschuldiger Babys können gar auf 50er-Produkte und mehr zurückgreifen. Damit soll man sich also guten Gewissens 50 mal so lange in der Sonne aufhalten können wie ungeschützt. Die Cremes und Lotionen enthalten physikalische Schutzsubstanzen ­ also Reflektoren, metallische Mikrospiegelchen in Nano-Größe ­ oder Stoffe, die für ihre chemische Aufspaltung die Energie der UV-Strahlen nutzen und sie damit für üblere Wirkungen wie Sonnenbrand oder gar Hautkrebs entschärfen. Mehr als hundert davon sind gängig, sagt Prof. Mark Berneburg, Oberarzt an der Tübinger Hautklinik. Dass diese Stoffe oder ihre Spaltprodukte ihrerseits schädlich sein könnten, dafür gibt es nach seiner Aussage »keine Anhaltspunkte«. Der Dermatologe empfiehlt, während der Mittagszeit zwischen 11 und 15 Uhr die direkte Sonne ganz zu meiden. So machten das nicht nur etwa die Spanier, die Fußball-Weltmeister, sondern so hätten das auch hier die Vorfahren einst gehalten. Noch im Schatten komme bis zur Hälfte der UV-Strahlen an. Textiler Schutz, sagt Berneburg, sei auch sehr wirksam: Hüte, die auch Ohren und Nasenspitze beschatten, luftige, aber Schultern, Arme und Beine bedeckende Kleidung. Den Augenschutz durch gute Sonnenbrillen nicht zu vergessen! Mit jährlich 120 000 Neuerkrankungen und 3000 Toten durch Hautkrebs rechnen übrigens hierzulande die Statistiker.

Sommertheater. Nicht nur Mössingen-Melchingen mit seiner attischen Tragödie »Die Schutzsuchenden« nach Aischylos in der Pausa, auch Tübingen hat sein Sommertheater. Morgen ist auf der Neckarinsel Premiere für das vom LTT unter der Regie von Christina Rast inszenierte »Klein Zaches, genannt Zinnober«. Das ist ein fantastisches Märchen des etwas schrillen romantischen Multi-Talents E.T.A. Hoffmann um ein hässliches Wechselbalg, das die Fee Rosabelverde aus Mitleid verzaubert: zum Urheber alles Guten, was um es herum geschieht. Die Zauberei aus dem Jahr 1819 ist zugleich groteske Abrechnung mit dem aufklärerischen Absolutheitsanspruch der Vernunft als auch eine wunderbare Satire auf die höfische Gesellschaft. Gespielt wird bis zum 13. August.

Sommermärchen. Spanien, der Deutschland-Bezwinger, ist Weltmeister. Aus Sicht der Tübinger Polizei war diese WM ein rundum gelungenes Sommermärchen. »Es gab so gut wie keine Probleme«, bilanziert Josef Hönes, einer ihrer Sprecher. Nicht einmal nachbarschaftliche Beschwerden über Belästigung durch die nervtötenden Vuvuzelas seien aufgelaufen. Am Tübinger Brennpunkt für Siegestrunkene, der Neckarbrücke und der angeschlossenen Mühlstraße, habe die Sperrung jeweils so rund eine Stunde gedauert. Ein einziges Mal habe sich von dort aus ein Autokorso zu bilden versucht. Weil der aber im fußläufigen Gedränge stecken geblieben sei, hätten die Fans fortan auf die Form des Jubels verzichtet. In Rottenburg hingegen, Treffpunkt Sprollstraße, habe sich ein Korso etabliert. In Mössingen auch, rund um den Kreisverkehr. Da gab es beim ersten Deutschen Sieg wohl noch ein paar Probleme mit Blumentramplern. Die einzige Festnahme der WM-Feiern habe es für einen Siegestrunkenen in Tübingen gegeben, der partout die nun doch notwendige Hinterher-Kehr-Maschine mit einer heldenhaften Sitzblockade aufhalten wollte. Ansonsten hat es die Polizei bei ein paar Ermahnungen fürs Nicht-Anschnallen oder prekär auf fahrenden Cabrios Herumstehenden belassen. Na also, geht doch.
 
 

-mab

15.07.2010 - aktualisiert: 15.07.2010 10:49 Uhr

 

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