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Vom Gaffer zum Helfer


1. Juli 2010
 

Der Innenminister des Landes Schleswig-Holstein, Klaus Schlie, hat in einer juristischen Fachzeitschrift ein Thema angestoßen, das jeden von uns angehen kann.

Im November vergangenen Jahres kam es auf der A 1 zum einem Unfall mit tödlichem Ausgang. Trotz der schrecklichen Geschehnisse und des verzweifelten Bemühens der Einsatzkräfte, den Unfallopfern zu helfen, behinderten Schaulustige die Rettungsarbeiten und ignorierten sogar die Aufforderungen der Retter zur Hilfe. Dass Gaffer Rettungsarbeiten behindern, ist leider kein Einzelfall.

Man hat auch schon untersucht, woher dieses Phänomen des „Gaffens“ kommt. Herausgefunden hat man, dass es einmal eine Angst vor der Blamage bei Hilfsmaßnahmen sein soll, zum anderen wird die Verantwortlichkeit zu helfen jeweils „den anderen“ zugeschoben. Nicht erwähnt ist die Sensationslust oder Neugierde, die meines Erachtens auch eine große Rolle spielt.

Wie aber kann man diesem negativen Phänomen beikommen? Mit irgendwelchen straf- oder bußgeldrechtlichen Maßnahmen wird man kaum weiterkommen. Natürlich könnte die Polizei sofort gegen die Gaffer vorgehen. In einer solchen Situation eines schweren Unfalls werden aber nie sofort genügend Kräfte vorhanden sein, die sich um die Schaulustigen „kümmern“ können, um Behinderungen bei den Rettungs-arbeiten auszuschließen. Es würde immer längere Zeit dauern, bis genügend Polizeikräfte da sind, die nicht an der Unfallstelle selbst benötigt werden zu helfen.

Letztlich wird man nur durch Aufklärung weiterkommen. Bei den Untersuchungen der Ruhr-Universität Bochum zu diesem Thema wurden als präventive Handlungs-vorschläge im Wesentlichen Maßnahmen vorgeschlagen, die zur Entwicklung sozialen Verhaltens anregen. Dies kann im Elternhaus, in der Schule und auch mit Hilfe der Medien geschehen. Das Ziel muss es also sein, das Verhalten in Notsituationen einzuüben und so die Handlungssicherheit zu erhöhen. Darüber hinaus sollten positive Vorbilder publiziert werden und damit zur Nachahmung anregen.

Vielleicht hilft auch noch folgende Überlegung: Man muss sich einmal vorstellen, dass man selbst oder eine Person, die einem nahesteht, Opfer eines Verkehrsunfalls geworden ist und rechtzeitige Hilfe daran scheitert, dass Gaffer die Rettungsarbeiten behindern. In seinem Artikel schreibt Innenminister Schlie am Schluss:

„Die Gafferei lässt sich nach meiner Überzeugung nur dadurch wirksam eindämmen, dass man aufklärt, sensibilisiert und darüber hinaus an die moralischen Werte im Menschen appelliert. Wenn es uns gelingt, den Gaffer zum Helfer werden zu lassen, haben am Ende alle gewonnen.“
 
 

Rechtsanwalt Thomas Rogge

01.07.2010 - aktualisiert: 26.08.2010 14:37 Uhr

 

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