1. Juli 2010
Das Sommertheater des LTT feiert am 16. Juli Premiere. »Klein Zaches genannt Zinnober« von E.T.A. Hoffmann ist dann fast täglich vor der malerischen Kulisse der Neckarinsel zu sehen. Wir sprachen mit der Regisseurin Christina Rast und dem Dramaturgen Armin Breidenbach vom LTT.
Frau Rast, Herr Breidenbach, welche Bedeutung hat das Sommertheater für Tübingen und das LTT?
Armin Breidenbach: Das Sommertheater bietet dem LTT die Möglichkeit, vor der malerischen und von sich aus zutiefst romantischen Kulisse der Insel dieses zauberhafte, aber auch bitterböse Märchen in Szene zu setzen. Worauf wir uns freuen, ist, dass das Tübinger Publikum wie schon vor drei Jahren an hoffentlich schönen Sommerabenden seine Neckarinsel als Theaterort genießen kann. Und das mitten in der Stadt!
Wieso ausgerechnet das Hoffmann-Stück »Klein Zaches genannt Zinnober«?
Christina Rast: Ich wollte schon immer mal einen Text von Hoffmann auf das Theater übertragen, weil ich seine Fantasie und seinen Sprachwitz so schätze. Und dann die Geschichte: Der hässliche Zwerg Klein Zaches wird so verzaubert, dass ihm alles zufällt, was andere an Außergewöhnlichem geschafft haben. Damit hält er der Gesellschaft, die sich nur zu leicht täuschen lässt, einen Spiegel vor. Dass Hoffmann das in einen Märchenkosmos einbettet, macht es für meine Schwester Franziska Rast, die die Ausstattung besorgt, zusätzlich reizvoll.
Passt ein Stück eines Romantikers überhaupt in die heutige Zeit?
Armin Breidenbach: Wie Christina gerade schon gesagt hat, hat Hoffmann nicht Romantik pur geliefert, also nicht nur Waldeinsamkeit, Mittelalter-Verklärung und ein Lied, das in allen Dingen schläft. Hoffmann ist eben kein Bilderbuch-Romantiker. Seine Besonderheit ist, dass er die Romantik von innen heraus kritisiert hat, boshaft, lustvoll und sehr komisch. Und wir denken, dass die Geschichte von Zaches schon sehr über das Romantische hinausweist.
Wie unterscheiden sich die Proben und das Spiel vor Ort auf der Neckarinsel vom normalen Theaterbetrieb?
Christina Rast: Zuerst einmal fast gar nicht, weil wir anfangs auch auf einer normalen Probebühne geprobt haben, die allerdings bald an ihre Grenzen stieß. Wir haben ja nicht nur oft alle zwölf Schauspielerinnen und Spieler, die in 33 Rollen schlüpfen, sondern häufig auch die dreiköpfige Band mitsamt aufgebauten Instrumenten dabei. Mit beiden Regie-Assistenten und dem Regieteam und dem Musiker Anton Berman kommt da eine Menge Leute zusammen. Der Umzug auf die Insel war erst mal eine logistische Herausforderung, das Spiel vor Ort wird dann schon etwas anders, weil man nicht alle Tage als Schauspieler Freilufttheater spielt und weil wir alle endlich mal aus dem Dunkel des Theaterbunkers rauskommen (lacht).
Welche Vorkehrungen haben Sie für Schlechtwetter-Tage getroffen?
Christina Rast: Zuerst einmal bieten die dichten Blätter der Bäume auf der Neckarinsel den Zuschauern Schutz vor nicht allzu starkem Regen. Sollte es dann an einem Abend doch, was wir nicht hoffen, aus Kübeln schütten, und eine Vorstellung ausfallen, gibt es Reservevorstellungen. Wer »Klein Zaches« wegen Regens verpasst, kann das an einem anderen Termin nachholen.
Die Platanenallee ist nach 2007 bereits das zweite Mal Schauplatz des LTT-Sommertheaters heißt das, Sie haben den idealen Sommertheater-Spielort gefunden?
Armin Breidenbach: 2007 spielten wir »Was ihr wollt« von Shakespeare, dieses Jahr die Dramatisierung eines romantischen Märchens die passen natürlich beide sehr gut auf die Insel. Im Jahr zuvor, 2006, haben wir auf dem Tübinger Schloss Marivaux‘ »Der Streit« gespielt. Diese Spielzeit waren wir ja schon auswärts: bei dem Uni-Projekt »68«, das wir in verschiedenen Räumen der Universität Tübingen gezeigt haben. Und »Nachtschwimmer« fand letzten Sommer im Freibad statt. Insgesamt muss man also sagen: die Kombination von Stück und Spielort muss stimmen.