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Die Blumenstadt hat die Wahl

Drei Kandidaten wollen rein ins Mössinger Rathaus.
Foto: Reisner

1. Juli 2010
 

Mössingen wählt. Die Blumenstadt sucht einen neuen Oberbürgermeister. Am Sonntag stehen drei Kandidaten zur Auswahl. Alles Männer.
Eigentlich hat Mössingen seit Menschengedenken schon immer irgendwie Glück gehabt mit seinen Schultheißen: Gottlieb Rühle, Erwin Kölle, Hans Auer und Werner Fifka ­ ja, auch der.
 

Dessen Abgang allerdings, der diese Wahl jetzt nötig gemacht hat, der war schon eher schäbig.
Ein Bürgermeister darf amtsmüde sein nach fast zwölf Jahren im Rathaus. Auch soll der Rat mit den Jahren selbst für Beobachter ein zunehmend nervendes Gremium geworden sein.

An die Gesundheit geht so ein Job auch -­ schon weil er eben viel mehr als nur einfach ein Job ist. Aber vage gesundheitliche Probleme vorschützen und sich gleichzeitig mit der »Lust auf nochmal was Neues« lautstark-diskret für irgendwelche lukrative Pöstchen als Begrüß-August in der Wirtschaft anpreisen, das lässt Stil, wenn nicht gar Würde vermissen.

Schon Werner Fifkas Rückgabe seines SPD-Parteibuches hatte einen schalen Beigeschmack. Sozialdemokrat zu sein, das war halt offenbar nicht mehr so chic zu jener Zeit. Mit den Kreistagsspezis aus der Schultesfraktion der Freien Wähler ließ sich sowieso besser geschirren. Und jetzt vollends den Resturlaub abfeiern...

Viele Mössinger sind enttäuscht, sogar sauer. Freunde Fifkas plädieren auf mildernde Umstände, auf Ungeschicklichkeit. Der Oberbürgermeister vertrete immerhin als oberste Stallwache in der Sommerpause viele seiner mit den Familien urlaubenden Amtsleiter.

Fifka hinterlässt seinem Nachfolger gewiss keinen Saustall. Neben der Pausa hätte Mössingens erster OB sich mit weiteren Stadtentwicklungs-Projekten in die Annalen gravieren können. Zwei chancenreiche Bewerber stehen für Fifkas Nachfolge bereit, dazu ein weiterer Kandidat.

Dußlingens Bürgermeister Thomas Hölsch, 47, ist auch schon ähnlich lang im Amt. Zollernalb-Landrat wollte er werden. Er darf nach einem Aufstieg streben. Vielleicht ist die Stimmung besser für ihn als seinerzeit für Fifkas Gegenkandidaten Manfred Schmiderer, den die Mössinger 1998 als fast frisch wiedergewählten Gomaringer Nachbar-Schultes gegen den Creglinger Außenseiter Fifka krachend abblitzen ließen. Hölsch, ein erfahrener Kommunalpolitiker natürlich, hat einflussreiche Förderer bei den Freien Wählern. Das anscheinende Abschreiben von gelungenen Polit-Phrasen aus den Wahlkampf-Prospekten der siegreichen OBs von Wangen (dem Mössinger Michael Lang) und Herrenberg wird ihm wohl schon schaden, wie sehr auch immer. Wahrscheinlich geht die Peinlichkeit auf die Kappe irgendeiner PR-Agentur.

Sein Widerpart Michael Bulander, 38, ein CDU-naher Ministerialdirektor an der Seite von Heribert Rech, dem Stuttgarter Innenminister, will die vielleicht gar so glatte Karriere offenbar gern gegen die Gestaltungsmöglichkeiten eines Rathaus-Chefs tauschen ­ an seinem langjährigen Wohnort. Er wirkt frisch, fast schon visionär gegenüber dem peniblen Pragmatiker Hölsch, bringt sich engagiert ein. Aber auch seine Werbefritzen sollen abgekupfert haben.

Der eine von oben aus der Landeshierarchie, der andere aus der (auch kreisweit vernetzten) kommunalen Basis im kleinen Nachbarort: Das ist eine Wahl.

Andreas Stollberg, der dritte Kandidat, ist ein 38-jähriger »Trainer und Ethikberater« aus Horb. Er surft zwar auf der wachsenden Welle eines kapitalismus-kritischen Zeitgeistes, und hat mit einigen seiner Thesen nur gar zu Recht. Aber für Format, für die Kleidergröße eines OB, reicht das nun doch noch ebensowenig aus wie jenes unschuldig weiße T-Shirt, das er zur öffentlichen Vorstellung in die Steinlachhalle trug.

Vielleicht kann er so viele Protest-Stimmen auf sich vereinigen, dass es einen zweiten, einen zugespitzten Wahlgang gibt. Denn eine langweilige Stadt ist Mössingen eigentlich nicht.
 
 

01.07.2010 - aktualisiert: 01.07.2010 10:11 Uhr

 

Lesermeinungen

01.07.2010 19:05
Autor: Frank Meierhofer

Der Mössinger Wahlkampf langweilt mich inzwischen! Alle Ideen und Zukunftspläne hört man genau zweimal. Erst von Hölsch und dann von Bulander!!! Inzwischen sollte jedem bewusst sein, dass Bulander der von der CDU ins Rennen geschickte Kandidat ist. Die CDU will die neue Große Kreisstadt regieren und beauftragt einen jungen, sympathischen Newcomer, Ihre anspruchsvoll verfassten Reden zu referieren. Die CDU plakatiert für Bulander, schickt Zuschauer zu Veranstaltungen und lässt "Leser" Briefe schreiben um so Gerüchte über Hölsch verbreiten. Ob Herr Hölsch eine PR-Agentur sich leisten kann, weiss ich nicht, aber ich weiss, dass jeder, der dieses Gerücht verifiziert hat, bemerkt hat, dass es wahrheitsfrei ist.


 






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