8. JULI 2010
In Deutschland erkrankt alle 45 Minuten laut DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige GmbH, ein Mensch an der Blutkrankheit Leukämie. Für viele von ihnen gibt es nur durch eine Stammzelltransplantation eine Überlebenschance. Die Chance einen geeigneten Spender zu finden, gleicht der Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen. Immer noch herrscht Unwissenheit innerhalb der Bevölkerung, wie die Typisierungsaktion und eine Knochenmarkspende abläuft. Dazu haben wir Maria Kostoglou von der DKMS befragt:
Frau Kostoglou, wie viele Menschen haben durch die DKMS eine Chance auf Heilung? Maria Kostoglou: Durchschnittlich erhalten jeden Tag weltweit zehn Patienten Stammzellen von DKMS-Spendern. Im Landkreis Tübingen haben wir 12 246 registrierte Spender, im Landkreis Reutlingen sind es 10 738.
Warum ist es so schwierig einen geeigneten Spender zu finden?
Maria Kostoglou: Nur für rund ein Drittel der Leukämie-Patienten kann ein geeigneter Spender innerhalb der eigenen Familie gefunden werden.
Bei der Suche nach dem passenden Spender müssen typische Gewebemerkmale, HLA-Merkmale, ein sogenannter genetischer Fingerabdruck zwischen Patient und Spender fast oder komplett übereinstimmen. Da jeder Mensch ganz individuelle Gewebemerkmale hat, ist es sehr schwer, den passenden Spender zu finden. Und doch gelingt dies.
Wie kann man sich registrieren lassen? Maria Kostoglou: Um die Chance zu bekommen einmal als Lebensspender aktiv zu werden, benötigt die DKMS zunächst eine Blutprobe des Spenders. Mit fünf Milliliter Blut können die für jeden Menschen typischen Gewebemerkmale untersucht werden.
Diese Daten stehen dann in anonymisierter Form weltweit für Patientenanfragen zur Verfügung. Die Wahrscheinlichkeit, in den ersten zehn Jahren als Spender in Frage zu kommen, liegt bei maximal fünf Prozent.
Was passiert bei einer Knochenmark- oder Stammzellentnahme?
Maria Kostoglou: Es gibt zwei verschiedene Entnahmeverfahren: 1. Die periphere Stammzellentnahme, die zu 80 Prozent angewandt wird: Hierbei wird dem Spender über fünf Tage ein körpereigener, hormonähnlicher Stoff verabreicht.
Dieses Medikament regt die Produktion der Stammzellen an und bewirkt deren Ausschwemmung in das periphere Blut. Mit einem Zellseparator werden die Stammzellen, ähnlich einem Dialyseverfahren, während eines ambulanten Aufenthaltes in der Klinik, direkt aus dem Blut entnommen.
2. Die Knochenmarkentnahme: Zur Knochenmarkentnahme verbleibt der Spender für zwei bis drei Tage im Krankenhaus. Unter Vollnarkose werden ihm aus dem Beckenknochen zirka ein Liter Knochenmark (nicht Rückenmark!) entnommen und dem Patienten übertragen. Beim Spender bildet sich das Knochenmark innerhalb von zwei Wochen nach. Das Risiko beschränkt sich bei dieser Methode auf das übliche Narkoserisiko.
Die Entscheidung, welches Verfahren zur Stammzellgewinnung beim Spender angewandt wird, richtet sich nach den Belangen des Patienten. Nach Möglichkeit wird aber auf die Wünsche des Spenders Rücksicht genommen. Bei beiden Verfahren werden der Verdienstausfall und alle anderen Kosten des Spenders übernommen.
Welcher Personenkreis kann sich typisieren lassen?
Maria Kostoglou: Alle gesunden Menschen zwischen 18 und 55 Jahre.
Wie oft konnte die DKMS schon Menschen in den Landkreisen Reutlingen und Tübingen helfen?
Maria Kostoglou: In beiden Landkreisen gab es in den vergangenen 19 Jahren zirka 250 Stammzelltransplantationen über die DKMS.
Wenn jemand eine Stammzelltransplantation erhalten hat, ist er dann für immer von der Leukämie geheilt?
Maria Kostoglou: Durch die Übertragung gesunder Stammzellen, beziehungsweise den Austausch des fehlproduzierenden Systems besteht für Patienten die Chance wieder völlig gesund zu werden.
Weitere Informationen unter www.dkms.de