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»Reutlingen bekommt etwas ganz Tolles!«

Klaus Kessler, Leiter der Reutlinger Projektgruppe Stadthalle, hat den Überblick über Grube,Bagger und Kräne.
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27. MAI 2010
 

Auf dem Bruderhaus-Gelände schreiten die Bauarbeiten für die Stadthalle voran. Als größte städtische Einzelinvestition Reutlingens kommt dem Bau eine besondere Rolle zu. Wer sind die Menschen hinter dem Bauzaun, welche Besonderheiten birgt ein Bau dieser Dimension und welche Überraschungen bringt das Megaprojekt mit sich? Diese Fragen wollen wir in den kommenden Monaten in Text und Bild aufgreifen. Erster Gesprächspartner für unsere Porträt-Reihe ist der Architekt Klaus Kessler, Leiter der Projektgruppe Stadthalle. Am Ende des Textes liefert unserer Bildergalerie aktuelle Eindrücke vom Bau.

 

REUTLINGEN. Klaus Kessler liebt den Weitblick. Nicht nur optisch ­ auch zeitlich. Wenn der Leiter der Projektgruppe Stadthalle aus seinem Bürofenster schaut, denkt er schon an Übermorgen. "Sie sehen hier die Baugrube, und wir sind schon beim Rohbau", sagt er und zeigt stolz auf das bislang Geschaffte. Vorausschauend zu sein gehört zu seinem Geschäft. Mit seiner Projektgruppe betreut er das Gedeihen des Baus. "Arbeitstage von 7 bis 19 Uhr sind keine Seltenheit", so der Chef des sechsköpfigen Teams, zu dem neben Kessler sein Stellvertreter, Til Eder, sowie vier engagierte Leute für Sekretariat, Buchhaltung, Organisation und Verwaltung gehören.

Ihr Büro im alten Krankenhäusle auf dem Bruderhaus-Gelände ist Dreh und Angelpunkt für Ingenieure, Architekten und Vertreter der Stadt. Ihre Arbeit wirft viele Fragen auf: Machen Architekten und Ingenieure alles richtig?, Bleiben wir im Zeitrahmen?, Gibt es Schwierigkeiten mit Wetter, Wasser oder Technik?. Themen, wie diese beschäftigen das Team. Nicht aber die Frage nach dem Für und Wider der Millioneninvestition in Zeiten städtischer Finanznöte. Das ist ein Punkt, der zwar viele Menschen bewegt, nicht aber hinter dem Bauzaun diskutiert wird. Trotzdem haben die Kosten für den Immobilien-Ökonom höchste Priorität: "Das Budget wird total eingehalten".

Sparen, wo es geht
Mit Weitblick hat sein Team die Pläne von Star-Architekt Max Dudler geprüft. "Die Planung wurde ständig auf Einsparmöglichkeiten hin geprüft, jedoch ohne an Qualität einzubüßen. Wir schaffen einen Kostenpuffer, damit es am Ende eine Punktlandung gibt", versichert Kessler. Auch bei Details wie dem Bauzaun wurde aufs Geld geschaut. Der wurde bekanntlich im Oktober 2009 gleich zu Beginn der Erdarbeiten errichtet. "Wir haben ihn so konzipiert, dass er auch als Werbefläche dienen kann".Mit Erfolg. Die Werbefelder sind fast alle belegt, erkleckliche Einnahmen gesichert. Ein weiteres Aufgabenfeld der Projektgruppe ist die Öffentlichkeitsarbeit. Auch hier dient der Bauzaun als Hilfsmittel: Die Gewebebanner auf dem Zaun wurden nicht nur mit Werbung bedruckt, sondern auch mit Infos zum Bau. Extra installierte Gucklöcher im Zaun erlauben außerdem, Bagger und Kräne zu beobachten.

Virtuell über's Gelände spazieren"
Wer lieber virtuell über das Gelände spazieren möchte, wird im Internet bedient. Auf der städtischen Internetseite www.reutlingen.de stellen die Mitarbeiter der Projektgruppe laufend neue Fotos und Videos ein. Dort können Interessierte virtuell bis in die Anfänge des Baus reisen. Und damit auch bis zu den Anfängen Klaus Kesslers in Reutlingen. Im Sommer 2008 wurde er als Stabstellenleiter von der Stadt eingesetzt. Zwischen da und heute liegen tausende Kubikmeter Erde und noch mal mehr an Weitblick. Von seinem Büro im Krankenhäusle ­- übrigens das ehemalige Arbeitszimmer Gustav Werners -­ überblickt er die Grube, die sich sauber, und inzwischen auch halbwegs trocken, sechseinhalb Meter in die Tiefe gräbt. Der Architekt und Immobilienökonom kann den Weg jeder Schaufel Erde mitverfolgen. "Diese Baustelle ist fast wie ein Kind für mich", erklärt der 48-Jährige schmunzelnd und weiter, "Reutlingen bekommt hier etwas ganz Tolles!".

Lange Arbeitszeiten
Kessler weiß aber auch, dass nicht jeder diese Meinung teilt. Skepsis begleitet den Bau. "In vielen Köpfen herrscht die Meinung, das wird nur eine Halle für bestimmte Leute, aber das stimmt nicht! Jeder findet hier seinen Platz", unterstreicht der Ingenieur vehement. Kein Wunder, dass bei so viel Engagement die Arbeitszeiten großzügig genutzt werden. "So ein Projekt ist nicht in normalen Taktzeiten zu schaffen", erklärt Kessler. Und was macht ein Projektgruppenleiter in seiner raren Freizeit? Da zieht es den gebürtigen Hechinger ins Grüne. "Ich genieße die Nähe zur Alb", unterstreicht der begeisterte Mountainbike-Fahrer. Denn, auch wenn ihm der Blick auf die Baugrube gut gefällt, ein bisschen mehr Horizont tut einfach gut.

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ANJA ALLMERITTER

27.05.2010 - aktualisiert: 14.07.2011 11:13 Uhr

 






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